Wolfgang Rössig

San Francisco Golden Gate Bridge

Nebel in San Francisco

Wolfgang Rössig ⚫ 17. Nov 2017

Auf den wenigen Grünflächen rund um die Hochhäuser des Financial District strecken mittags die Angestellten der Banken und Büros die Füße von sich, um ihr Lunchpaket zu verzehren, etwas verschämt genießen die modernen Outlaws Kaliforniens im Schatten der Glastürme ihre Zigarette, da passiert es plötzlich. Zuerst nur ein paar unschuldige tiefe Wölkchen, und dann fällt graue kalte Watte wie ein Remake aus "Nebel des Grauens" über die Stadt her.

Amüsiert blicken die Einwohner auf das immerwährende Schauspiel der in T-Shirts und kurzen Hosen schlotternden Touristen, die bei "kalifornischem Sommer" wohl zu sehr die Beachbabes aus Baywatch im Sinn hatten. Dumm gelaufen, in Nordkalifornien würde sich keine Pamela Anderson ins eisige Wasser von Pazifik und Bay wagen. Denn genau das ist schuld am Wettersturz, der im Sommer besonders frappierend ausfällt. Schon Mark Twain lästerte über den Sommer in San Francisco als kältesten Winter, den er je verbracht habe. Na schön, Kälte ist relativ, doch nirgendwo auf der Welt friert man bei 14 Grad plus mehr als hier. Besonders im Juli und August ist der Nebel ein treuer Begleiter. Meist kommt er gegen Mittag auf, um irgendwann am nächsten Tag zu verschwinden. Oft aber auch früher.

50 Shades of Nebelgrau

Grauer Himmel, Trübsal, Langeweile? Von wegen! Der Nebel hat unendliche Facetten und schlägt meist sehr selektiv zu. Im Schutz des Russian Hill in North Beach bleibt es oft sonnig, ebenso im Mission District. Letzterer sieht bei Sonne auch wirklich besser aus, da leuchten die bunten viktorianischen Straßenzüge mit ihren berühmten Wandmalereien einfach schöner, und die Latinas sollen in ihren knappen Röcken ja auch nicht frieren. Auch die Violettöne im Hippieviertel Haight-Ashbury kommen im Nebel nicht so gut und Joints wärmen schlechter als eine Tasse heißer Tee.

In den ozeannahen Neighborhoods Marina, Pacific Heights und Sunset schlottert man auf jedem Fall, doch die Hochhäuser in Downtown sorgen für Abwechslung. Bibbernd spaziert man eine Straße entlang, biegt um die Ecke und plötzlich lacht die Sonne! Wer lieber auf Nummer sicher geht, fährt rüber nach Oakland, Berkeley oder Sausalito, und wenn das nicht hilft: Im Napa Valley ist es garantiert warm und trocken.

Aber warum eigentlich dem Nebel entfliehen? Er gehört zu San Francisco wie Cable Car und Golden Gate. Wie Sam Spade alias Humphrey Bogart im Trenchcoat durch das düstere Tenderloin spazieren hat doch auch was, und keine Sorge, man kommt (meist) lebend wieder raus! Oder rauf auf ein Hochhaus: oft liegt der Nebel so tief, dass man die in Watte gepackte Stadt von oben im gleißenden Sonnenlicht betrachten kann.

Und dann sind da die Museen: Bald wünscht man sich mehr Nebeltage, denn es gibt viel zu viel zu entdecken, zu erleben, anzufassen. Das technikvernarrte San Francisco strengt sich aber auch wirklich an: Selbst ein simuliertes Erdbeben ist im Angebot, denn echte "Quakes" sind gottlob seltener als Nebeltage, obschon die Gläser im Schrank gelegentlich zu klirren beginnen, ohne daß jemand davon Notiz nimmt. Wer weiß, vielleicht ist nach dem Kultur- oder Techniktrip der Nebel schon wieder weg, und die Museen liegen praktischerweise in den schönsten Parks der Stadt. Wer nicht laufen mag: Pferde, Drahtesel, Inline-Skates und Ruderboote stehen zur Verfügung.

Zukunftssorgen?

Immer noch grau in grau? In den Cafés der Stadt kann man wunderbar einen Tag vertrödeln. Beim heißen Irish Coffee läßt sich die ganze Palette der einheimischen Bevölkerung studieren, denn ins Café gehen alle und so oft, dass man sich fragt, wann die Leute eigentlich alle arbeiten. Gut möglich, dass man in ein Gespräch verwickelt wird, doch nach Daddy, Schule und Geld fragt hier keiner. Tut man nicht, gehört sich nicht und spielt auch keine Rolle: Hey Mann, das ist San Francisco, werde nach deiner Fasson selig! Doch ganz so sorgenfrei und zukunftssicher ist das Leben an der Bay nicht. Natürlich geht es allen "fine, thanks", wie überall in Amerika wahrt man auch hier die Fassade des "Cheese-Lächeln". Doch wer weiß, nach dem dritten Kaffee erfährt man doch von der heimlichen Sorge der San Franciscans, zur reinen Touristenstadt zu werden, zum Disneyland für all die Pappnasen weiter östlich. Bitte nicht missverstehen, Touristen werden hier sehr freundlich behandelt, und das nicht nur, weil sie jährlich Milliarden in die Stadtkasse spülen. Doch ein neuerliches Erdbeben könnte den Fluss zum Versiegen bringen, und dann fehlen die Alternativen und Ressourcen für den Wiederaufbau. Die Geschäftsgründungen in SoMa sind zwar höchst innovativ, aber High Risk. So mancher Gameboy jongliert hier mit Millionen und ist nach wenigen Monaten schon wieder weg vom Fenster.

Bridge & Tunnel People

Eine erkleckliche Zahl von Einwohnern pendelt längst in umgekehrter Richtung, nämlich raus aus der Stadt, ins Silicon Valley oder nach Pleasanton, wo moderne Softwareschmieden und Genlabors locken. Die Vororte sind grün, die Häuser größer und billiger, und die Kriminalität für amerikanische Verhältnisse recht niedrig. Auch hier geht das "Los-Angeles-Syndrom" um: Von der schönen City wollen viele in ihren nebelfreien Suburbs nichts mehr wissen und bekämpfen sogar den Ausbau der modernen Schnellbahn BART, die nur "das autolose Gesindel anlockt".

Stickig wird's drinnen in den Cafés wegen des absoluten Rauchverbots eher selten, falls doch, vertreibt Baker Beach mit einem Frischluftschock die Kopfschmerzen. Golden Gate Bridge in der Abendsonne, das macht den Kopf wieder frei. Schließlich war und ist sie das Symbol des kalifornischen Optimismus, die "Brücke, die nicht gebaut werden konnte". Natürlich konnte sie doch, nur das Wasser bleibt davon unbeeindruckt eisig. Der Wind pfeift heftig und nach einer Stunde Spaziergang stellt sich der Appetit fürs Abendessen dann ganz von allein ein.

Praktische Infos

Tourist Information

San Francisco Visitor Information Center

900 Market St; Hallidie Plaza, Lower Level
San Francisco
(weitere Adressen: 170 O'Farrell St; Macy's Union Square, Cellar Level und Fisherman's Wharf, Pier 39, Building B, Level 2)

+1 415-391-2000
vic1@sftravel.com
www.sftravel.com

Anreise

Mit dem Flugzeug:

Internationale und nationale Flüge landen und starten am San Francisco International Airport.

Reisetexte

Stories

Ausgewählte Reisetexte aus Europa, Afrika, Asien, Amerika und Australien

Reiseblog

Nachrichten aus aller Welt

Essays

Nachdenkliches über das Reisen, das Schreiben und die Tourismusindustrie

Service

Für Reiseverlage

Was kann ich für Sie schreiben, berichten, aktualisieren, recherchieren?

Für Presse und Medien

Beratung, Location Management, Interviews

E-Books

Elektronische Reiseführer für Kindle, Tolino und Smartphones

Kontakt

Wolfgang Rössig

Travel Publishing

Westenriederstr. 45
D-80331 München

Tel. +49 (0) 89 227151
wolfgang@roessig.de

website created by
Wolfgang Rössig