Wolfgang Rössig

Ephesos

Ephesos: Stadt der Artemis

Wolfgang Rössig ⚫ 17. Nov 2017

Ein wenig skeptisch blicken viele Einheimische schon auf die Touristen, die oft in glühender Mittagssonne über alte Trümmer und Steine klettern. Wie ein Stachel sitzt es im Fleisch der Türken, dass die bemerkenswertesten Sehenswürdigkeiten an der türkischen Mittelmeerküste nun einmal griechischen Ursprungs sind. Immer wieder stößt man auf malerische Ruinen, zum Beispiel in Troja, Assos, Milet, Priene, Didyma, Herakleia und Pergamon, dessen mächtiger Zeusaltar seit 1902 im Berliner Pergamon-Museum steht. Hier hat man das Pergament erfunden, hier behandelte der berühmte Arzt Galenus im Asklepieion seine Patienten.

Aber keine Siedlung Kleinasiens war prächtiger als Ephesos. Die Stadt war der Artemis geweiht, deren Kult ionische Griechen eingeführt hatten und der mit dem der lokalen Muttergöttin Kybele verschmolz. So wurde aus der jungfräulichen Jägerin eine Fruchtbarkeitsgöttin. Als ihr Heiligtum 356 v.Chr. abbrannte, gestand ein gewisser Herostratos die Untat, doch vermutlich wurde er nur ein Opfer des in Ephesos gepflegten „Sündenbockrituals“. Wie dem auch sei, die Epheser bauten ihr Artemiseion nur noch prächtiger wieder auf, mit 117 Säulen, jede davon über 18 Meter hoch: eines der 7 Weltwunder. Fruchtbarkeit hatte für die Priester der Artemis durchaus etwas mit Finanzen zu tun, so avancierte ihr Heiligtum zur mächtigsten Bank Kleinasiens auf, die Pilgergelder verwaltete und Kredite vergab. Vor der religiösen Geschäftstüchtigkeit der Epheser musste sogar der Apostel Paulus kapitulieren, der im Großen Theater von Ephesos vergeblich die Segnungen des Christentums verkündete: Mit Artemis verdiente man auch zur Zeitenwende noch zu gut.

Einstige Weltwunder

Vom Artemiseion ist nichts geblieben, doch ist Ephesos, das unter Kaiser Octavian zur „Leuchte Asiens“ aufstieg, noch immer eine der eindrucksvollsten Ruinenstätten am Mittelmeer. Man schlendert über die von Säulenstümpfen gesäumte marmorgepflasterte Arkadiané, die Ephesos einst mit ihrem alten, längst versandeten Hafen verband, bewundert das Südportal der Agora und die Galerien der Celsus-Bibliothek, die von den Archäologen wieder aufgerichtet wurden, und setzt sich auf die Stufen des Theaters, das im 3. Jahrhundert v.Chr. errichtet wurde. Dort lässt sich trefflich über die berühmten Worte Heraklits nachdenken, des berühmten Philosophen von Ephesos. Alles fließt, alles ist ewig in Veränderung, und so war auch der Glanz von Ephesos vergänglich.

Verschwunden ist auch ein weiteres Weltwunder, das Mausoleum von Halikarnassos, dem heutigen Bodrum. Um 353 v.Chr. errichtete Artemisia, Frau und Schwester von König Mausolos, das berühmteste Grabmal der Menschheit: Geblieben sind nur die Grundmauern. Doch in Bodrum interessiert man sich ohnehin mehr für das Leben als für den Tod: Das „türkische St. Tropez“ gilt noch immer als Treffpunkt der Reichen und Schönen, der Schauspieler und Künstler, auch wenn hier inzwischen der Massentourismus Einzug gehalten hat. Hier tobt das wildeste Nachtleben der türkischen Küste, hier, aber natürlich nicht nur hier, hoffen türkische Schürzenjäger auf die Gunst blonder Touristinnen. Wer will es ihnen verdenken? Schließlich liegt nur gute hundert Kilometer landeinwärts das berühmte Aphrodisias, wo man der Liebesgöttin Aphrodite huldigte.

Praktische Infos

Tourist Information

Go Turkey Tourism

Mail: info@goturkeytourism.com
Web: www.goturkeytourism.com

Anreise

Mit dem Flugzeug:

Flüge direkt (mit SunExpress) oder mit Umsteigen in Istanbul nach Izmir (Turkish Airlines, Pegasus), von dort Busverkehr nach Ephesos.

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