Wolfgang Rössig

Ua Pou

Naturkathedrale der Südsee

Wolfgang Rössig ⚫ 19. Nov 2017

„Man hielt den Atem an und fühlte einen Stich, der beinahe schmerzte, so bezaubernd war ihre Schönheit“ schrieb Jack London über die Marquesas. 5000km vom nächsten Festland entfernt, ist der Archipel die abgelegenste bewohnte Inselgruppe der Welt: von dichtem Grün überwucherte vulkanische Eilande mit schwarzen Sandbuchten, deren zerklüftete Felsküsten z.T. bis heute unzugänglich sind, üppige Blütenpracht — ein Stück fast unberührte, wilde Tropen. Hier suchten Paul Gauguin, Herman Melville, Robert Louis Stevenson, Thor Heyerdahl und Jacques Brel das verlorene Paradies.

Die meisten Besucher lernen die Marquesas an Bord des 2015 in Dienst gestellten Fracht- und Kreuzfahrtschiffs Aranui V kennen, und an jeder Anlegestelle warten die freundlichen Einheimischen schon mit den traditionellen Blumenkränzen. Die Passagiere der Aranui bringen Abwechslung in den gleichförmigen Inselalltag, und wenngleich die Einheimischen natürlich auch ihr hochwertiges Kunsthandwerk verkaufen wollen, kommt das Lächeln hier noch stets von Herzen. Aber Vorsicht: Wer von den kleinen süßen roten Bananen kostet, der wird zurückkehren ... irgendwann.

Ua Pou

Nach dem ersten Stopp auf dem wesentlich tropischer wirkenden Nuku Hiva sorgt der Anblick von Ua Pou geradezu für einen Schock. Diese Insel hat so gar nichts gemein mit den Eilanden des Tuamotu-Archipels, an deren blendend weißen Stränden man noch vor Tagen selig im türkisfarbenen Wasser geplanscht hat. Atolle und Riffe gibt es hier nicht, dafür sorgen kalte Südäquatorialströme, die das Wachstum von Korallen verhindern. So brandet der Pazifik ungehindert an die bizarren, bis zu 1200 m himmelwärts strebenden, oft wolkenumhüllten Vulkanfelsen der Insel. Ihr Name Ua Pou („Zwei Säulen“) geht auf eine Legende zurück: Bei der Errichtung der „Erde der Männer“ schufen die Götter als erstes die Säulen des großen irdischen Hauses: die Berge von Ua Pou. Die riesigen Basaltsäulen tragen die Namen legendärer Krieger: Poutetaunui und Poumaka. Fast wie die Klippen der Bretagne steigen sie aus der schwarzblauen See, einer turmbewehrten Naturkathedrale gleich, wie der Chansonnier Jacques Brel in einer Liebeserklärung an die Marquesas die zerklüfteten Gipfel besungen hat. An „vulkanische Pfeile, die wie ein Kirchturm aussehen“ erinnerten sie schon 1888 den Dichter Robert Louis Stevenson.

Ua Pou
Ua Pou

Aber kaum ankert die Aranui in der Bucht von Hakahetau, da sind schon hüftschwingende schöne junge Mädchen mit Blumenkränzen im Haar zur Stelle: Wir sind immer noch in der Südsee. Stände mit Muschelketten und Holzschnitzereien warten auf Käufer. Auch keapua werden hier angeboten, die berühmten „Blumensteine“ der Insel. Die schwarzen Basaltsteine mit gelben Einsprengseln sind nur an den Stränden Ua Pous zu finden.

Hakahau

Im Tal des charmanten Hauptorts Hakahau, in dem etwa 200 Menschen leben, breitet sich ein üppiger Tropengarten mit Palmen, Brotfrucht- und Mangobäumen, Bougainvilleen und Hibiskushecken aus, und von einem Aussichtsberg blickt man auf den einsamen, weißsandigen Anahoa-Strand, umspült von aquamarinblauer See. Doch dort unten wird man erste Bekanntschaft mit den winzigen Teufeln des Paradieses machen. Sie heißen „nonos“, sind kaum zu sehen, aber treiben mit ihren perfiden Stichen selbst die hartgesottensten Strandfreunde in die Flucht. Abends verschwinden die Sandfliegen: Einem Spaziergang im Mondschein stünde also nichts im Wege.

Doch da haben die starken, tätowierten Seeleute der Aranui ihre Fracht schon gelöscht, und nachdem die Passagiere den Poisson cru verspeist haben, leckeren, in Kokosmilch und Limonensaft marinierten rohen Fisch, lichtet das Schiff die Anker. In ein paar Tagen, auf der Rückfahrt nach Tahiti, wird die Aranui hier noch einmal anlegen.

Praktische Infos

Tourist Information

Marquesas

Tahiti Tourisme

04101 6968802
Web: www.tahiti-tourisme.de

Anreise

Mit dem Flugzeug

Ua Pou (UAP) wird von Zubringerflugzeugen der Air Tahiti angeflogen (über Atuona auf der Insel Hiva Oa). Die nur 830 m lange Landebahn liegt in einem engen Taleinschnitt. Der Flugplatz gilt als schwierig, da die Landebahn direkt am Meeressaum beginnt, vor einem Berg endet und erhebliches Gefälle aufweist. Der Flugplatz ist mit dem Dorf Hakahau mit einer steilen und kurvenreichen, 10 km langen Straße verbunden.

Mit dem Schiff

Die Aranui V („der lange Weg“), eine Kombination aus Fracht- und Passagierschiff, verbindet die sechs bewohnten Marquesas-Inseln mit Tahiti. Auf ihrer recht komfortablen 16-tägigen Rundreise von Papeete/Tahiti über Takapoto im Tuamotu-Archipel (mit Badestopp) fährt sie zu den 1500 km von Tahiti entfernten sechs Inseln, die sie zum Teil zweimal anläuft. Die Bucht von Hakahau hat einen von einer Mole geschützte Hafen, der auch das Anlaufen mit kleineren Kreuzfahrtschiffen erlaubt.

Beste Reisezeit

Die günstigste Reisezeit liegt zwischen Mai und Oktober, dann ist es meist angenehm warm. Weil die Marquesas aber wesentlich feuchter sind als das übrige Französisch-Polynesien, können jederzeit heftige Schauer niedergehen. Zwischen November und April ist es schwülheiß, und es regnet sehr oft und intensiv. Auf den Marquesas treten keine Wirbelstürme auf.

Einreisebestimmungen

Deutsche, Österreicher und Schweizer benötigen zur Einreise nach Französisch Polynesien (kein EU-Gebiet, obwohl die Einwohner französische Staatsbürger sind) einen noch mindestens 6 Monate gültigen Reisepass.

Impfungen

Impfungen für die Einreise sind nicht zwingend vorgeschrieben, auch eine Malariaprophylaxe ist nicht erforderlich.

Unterkunft

Pension Pukuee

B.P. 31 Hakahau
98745 Ua Pou

+689 40925083
pukuee@mail.pf
www.pensionpukuee.com

Luxusresorts sucht man auf Ua Pou vergeblich, es gibt hier hauptsächlich kleine Pensionen mit wenigen Zimmern, da die meisten Touristen nur auf Stippvisite mit der Aranui vorbeischauen. Kreditkarten werden oft nicht akzeptiert. Diese Pension bietet einen schönen Blick über die Hakahau-Bucht, das Restaurant serviert sehr gute Marquesas-Küche, und der kenntnisreiche Besitzer organisiert Ausflüge zu den archäologischen Stätten und zu Kunsthandwerkern.

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