Wolfgang Rössig

Straße der Baobabs

Arche Lemuria

Wolfgang Rössig ⚫ 19. Nov 2017

Wie aus Raum und Zeit gefallen, so treibt Madagaskar etwa 400 km östlich der Küste von Mozambique im Indischen Ozean. Schon vor 150 Millionen Jahren wurde der „sechste Kontinent“ von Afrika und vor 90 Millionen Jahren von Indien getrennt. So ist eine höchst eigenständige Natur entstanden. In den fast unberührten Schutzgebieten leben endemische Lemuren, Chamäleons und seltene Vögel.

Die komplexe Hochkultur der überaus gastfreundlichen Madagassen, die sich aus 18 miteinander verwandten Bevölkerungsgruppen malaiischer, afrikanischer und arabischer Herkunft zusammensetzen, fasziniert mit ihrem Geisterglauben und Ahnenkulten. Außerdem stehen die palmengesäumten Sandstrände Madagaskars denen der Seychellen oder von Mauritius kaum nach, sind aber um ein Vielfaches preiswerter.

Nosy Be
Nosy Be

Man muss kein hartgesottener Abenteurer mehr sein, um die viertgrößte Insel der Welt — etwa anderthalbmal so groß wie Deutschland — kennen zu lernen. Am besten erschlossen und dennoch keinesfalls mit klassischen Feriengebieten zu vergleichen sind die Inseln Nosy Be im Nordwesten und Nosy Boraha (Ile Sainte-Marie) vor der Nordostküste Madagaskars. Wer das ganze Land bereisen möchte, muss jedoch mit großen Distanzen rechnen und lernt dabei die unterschiedlichsten Klima- und Vegetationszonen der Tropen kennen: von den letzten immergrünen Regenwäldern im Norden bis zu den Dornwäldern und Halbwüsten im Süden.

Antsiranana

„Lemuren und Strände“ lautet das Programm vieler Madagaskar-Rundreisen, am liebsten organisiert, denn die Entfernungen sind groß und die oft anstrengenden Überlandfahrten mit einem „Taxi Brousse“, dem Buschtaxi, nicht jedermanns Sache. Doch die Fahrt von Nosy Be nach Antsiranana (Diego Suarez) ganz an der Nordspitze der Insel dauert nur wenige Stunden. Hier gründeten Seeräuber einst die freie Republik Libertalia. Heute ist Antsiranana eine von verblichenen Kolonialbauten geprägte ruhige Stadt an einer 30 km breiten Traumbucht. In den Straßen trifft man auf ein buntes Völkergemisch aus Madagassen, Franzosen, Chinesen, Araber und Komorer. Anschließend kann man an den schönen Stränden von drei Buchten entspannen. Besonders schön sind die türkisgrün leuchtende Bucht Mer d'Emeraude und die Bucht von Ramena, an deren Badestrand am Wochenende die Einwohner von Antsiranana strömen: fröhliches madagassisches Leben pur. Wer es exklusiver mag, genießt die weißen Sandstrände der von Korallenriffen gesäumten Baie de Sakalava.

Was guckst du?

Ein großartiger Tagesausflug von Nosy Be, den man mit einem Taxi auch selbst organisieren kann, führt in den vulkanisch geprägten Nationalpark Montagne d'Ambre, in dessen Bergregenwäldern sieben verschiedene Lemurenarten beheimatet sind. Man wandert zu versteckten Kraterseen (der Lac Maudit, in dessen Sumpf einst französische Soldaten samt ihrer Pferde versunken sein sollen, ist fady), imposanten Wasserfällen, und die noch völlig intakte Pflanzen- und Tierwelt ist einfach faszinierend: Riesige Baumfarne, Trompetenbäume, Orchideen und wilder Pfeffer bestimmen das Bild. Man sollte unbedingt einen Führer mitnehmen, sonst übersieht man am Ende noch den unheimlichen langfingrigen Aye Aye und den winzigen Mausmaki. Er wiegt nur 50 Gramm und ist somit der kleinste lebende Primat der Erde. Aber auch das kleinste, nur drei Zentimeter lange Chamäleon der Welt und seltene Vögel wie den Malachit-Eisvogel bekommt man hier zu Gesicht. Auf einer Nachtwanderung erspäht man nachtaktive Lemuren, deren Glubschaugen im Schein der Taschenlampe leuchten.

Lande der spitzen Steine

Ankarana
Ankarana

Wesentlich schwerer zugänglich ist das kaum erschlossene Reservat von Analamera, in dem die extrem seltenen schwarzen Sifakas und sechs weitere Lemurenarten beheimatet sind. Landschaftlich ein ganz anderes Bild bietet der weiter südlich gelegene Trockenwald von Ankarana, das Revier seltener Brauner Lemuren und Kronenlemuren. „Wo es spitze Steine gibt“ heißt Ankarana übersetzt. Wie passend, denn hier wandert man hinauf zu den großen Tsingy. Das sind rasiermesserscharfe Felsnadeln einer aus dem Meer gehobenen und verwitterten Korallenbank. Vom Hochplateau eines Tsingy blickt man fast 300 Meter tief hinunter zu einem unerreichbaren grünen See. In den Grotten sind die Könige des Volks der Antankarana bestattet und kein Einheimischer würde — wenn überhaupt — das mit unzähligen Fady belegte Gebiet ohne vorherige langwierige Zeremonien betreten.

Mit Buschtaxis, Pick-ups und LKWs quält man sich über Schlaglochpisten, und spätestens nach einigen Tagen nimmt man das Wort „en panne“ fast ebenso gelassen hin wie die Einheimischen, für die es völlig selbstverständlich ist, dass schrottreife Autos ohne Fenster und mit tellergroßen Löchern im Unterboden noch jahrzehntelang fahren werden: und wenn man kein Fady gebrochen hat auch genau an dem Tag, an dem man es braucht. „Mora mora“ heißt das Motto der Madagassen: Langsam, langsam. Das gilt auch für die organisierten Treckingtouren durch die Nationalparks, von denen die meisten noch fast unerschlossen sind.

Straße der Baobabs

Die durcheinandergewürfelten Knochen, das schmerzhaft auf das Armaturenbrett des Taxi Brousse geknallte Kinn, das endlose Warten in der flirrenden Hitze einer öden, durch Brandrodung verwüsteten Landschaft, während der Fahrer seine Schrottlaube wieder in Gang setzte, all das ist zu Hause schnell vergessen. In Erinnerung bleibt die träumerische Pirogenfahrt auf dem Canal des Pangalanes entlang der unwegsamen Ostküste oder die aufregende Bootsfahrt durch die Schluchten des Flusses Tsiribihina von Miandrivazo nach Belo Tsiribihina an der Westküste. Unbeschreiblich ist der Eindruck, den die majestätische Allee der tausendjährigen Baobabs bei Morondava im Licht der Abendsonne bietet, auf deren roter Piste ein von buckligen Zeburindern gezogener Karren entlangholpert.

Praktische Infos

Tourist Information

Madagascar

Office National du Tourisme de Madagascar

Lot IBG 29C Antsahavola - B.P. 1780
101 - Antananarivo

+261 20 22 661 15
Web: www.madagascar-tourisme.com

Beste Reisezeit

Die günstigste Reisezeit liegt zwischen April bis November. Zwischen Dezember und März herrscht Regenzeit, doch sind die Zeiträume heute weniger verlässlich als früher. Im Norden (Diego Suarez) ist es wesentlich trockener als an der Ostküste (Sainte-Cathérine), wobei Nosy Be im Nordwesten wiederum ein Mikroklima mit viel Sonnenschein und kurzen heftigen Schauern aufweist. Im Hochland regnet es am meisten in den höheren Lagen. Die Tage sind meist angenehm warm, die Nächte jedoch kühl bis kalt. Im Süden und Südwesten ist es am trockensten und heißesten. Zwischen Januar und März können Wirbelstürme auftreten.

Einreisebestimmungen

Deutsche, Österreicher und Schweizer benötigen zur Einreise einen noch mindestens 6 Monate gültigen Reisepass. Das Visum wird auch bei der Einreise erteilt (Passbild erforderlich). Wer länger als einen Monat bleiben will, muss das Visum bereits im Heimatland beantragen.

Impfungen

Bei direkter Einreise aus Europa sind Impfungen nicht zwingend vorgeschrieben, eine Malariaprophylaxe wird jedoch dringend empfohlen. In stehenden Gewässern (Süßwasser) herrscht Bilharziosegefahr, an Wasserfällen kann man dagegen unbesorgt baden.

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