Wolfgang Rössig

Bali

Balis Geisterwelt

Wolfgang Rössig ⚫ 17. Nov 2017

Fast wäre man hineingetreten, in die bunten „baten jotan“, kleine geflochtene Körbchen oder zu flachen Schalen geformte Palm- und Bananenblätter, in denen Hibiskusblüten, Räucherstäbchen, gekochter Reis und ein paar mit Kurkuma gefärbte Kokosraspel liegen: Tägliche Opfergaben, um die Götter milde zu stimmen, deponiert am Straßenrand, in Hauseingängen, an gefährlichen Kreuzungen. Selbst im unscheinbarsten Detail, umtost vom dichten Verkehrsgewühl der Hauptstadt Denpasar, manifestiert sich der balinesische Sinn für Ästhetik. Eine vom Hinduismus geprägte Kultur findet hier ihren Ausdruck in Bildern von betörend-exotischer Schönheit.

Diese Schönheit findet man überall: in den Kaskaden der sattgrünen Reisfelder von Pupuan zwischen Lovina und Antosari, im magischen Klang allgegenwärtiger Gamelan-Orchester, in der geheimnisvollen Welt des Schattenspiels. Sie zeigt sich in den bis zum Lidschlag einstudierten graziösen Bewegungen der in Goldbrokatgewänder gehüllten Legong-Tänzerinnen, die Frangipani-Blüten als Kopfschmuck tragen, und überhaupt in der anmutigen Körperhaltung der Balinesinnen, die kunstvolle, zu kleinen Türmen arrangierte Opfergaben mit Reiskuchen, exotischen Früchten, Blumen, hart gekochten Eiern, ja manchmal sogar gebratenen Enten und Hühnern auf den Köpfen zu den Dorftempeln balancieren. Und das kann jeden Tag passieren, denn jeder der vielen tausend Tempel auf Bali feiert einmal im Jahr sein Odalan, seinen Geburtstag. Wo sonst auf der Welt werden Straßen gesperrt, damit eine Prozession von Frauen und kleinen Mädchen mit goldfarbenen Diademen auf dem Kopf sich zu einer der unzähligen Zeremonien begeben kann, zu einem Fest für Brahma, Vishnu oder Shiwa, für deren Gemahlinnen Saraswati, Sri und Parwati oder für andere übernatürliche Wesen, Naturkräfte, Geister, Dämonen und Ahnen?

Bali

Nur auf Bali hat sich der Hinduismus, den schon ab dem 10. Jh. unserer Zeitrechnung Brahmanen und Kaufleute aus Indien mitbrachten, gegenüber dem heute in ganz Indonesien dominierenden Islam behauptet. Auch die Sprache der Balinesen basiert auf dem südindischen Pali. Aber die importierte Religion ist im Grunde nur ein dünner Firnis, unter dem wesentlich ältere animistische Kulte zum Vorschein kommen. Diese Glaubensverschmelzung führt dazu, dass in jedem Dorf drei Tempel stehen, für die Gemeindegründer, für die Dorfgemeinschaft und für die Toten. Sie manifestiert sich in einer Fülle von Festen und Feierlichkeiten, die auf der Welt ihresgleichen sucht, denn es gibt einfach so viele Götter, Dämonen und verehrungswürdige Ahnen. Über 20000 Tempel sollen auf Bali stehen, und wie viele Familien- und Sippentempel hinzukommen, weiß niemand genau. Es heißt, dass die Frauen ein Drittel ihrer Arbeitszeit aufwenden, um Opfergaben herzustellen und zu verteilen.

Die Macht der Dämonen

Oh ja, Geister nimmt man auf Bali sehr ernst. Auf dem Land sind nur die kleinen Krämerläden zur Straße hin geöffnet, während sich die streng nach spirituellen Gesichtspunkten konzipierten Familiengehöfte entlang der Dorfstraßen mit mannshohen Lehm- oder Steinmauern vor Dämonen schützen. Die kleine, aling aling genannte querstehende Mauer hinter dem Hofeingang sorgt dafür, dass sich nachts die bösen Geister den Kopf einrennen: Sie sind nämlich in ihrer blindwütigen Raserei nicht fähig, nach links oder rechts auszuweichen. Am Abend vor Nyepi, dem balinesischen Neujahrsfest, das dem Mondkalender folgt, vertreibt man sie mit viel Lärm, mit Gongs, Trommeln und Knallfröschen. Anschließend senkt sich über die gesamte Insel Totenstille: Kein Radio oder Fernseher wird angestellt, kein Licht entzündet, selbst die Küche bleibt kalt. Dämonen, die mit unheilvollen Absichten zurückkehren, sollen glauben, die Insel sei verlassen, und unverrichteter Dinge wieder abziehen. Die in den gespenstisch leeren Straßen patrouillierenden, Pecalang genannten Wächter sorgen dafür, dass auch Touristen in ihren Hotelanlagen bleiben. Sogar der Flughafen schließt. Eine Ausnahmeregelung gilt nur für Rettungsfahrzeuge.

Bali

Der Glaube an den Kreislauf von Leben, Sterben und Wiedergeburt ist das Fundament des balinesischen Hinduismus. Während der Kremationsfeierlichkeiten geht es ausgelassen zu wie bei einem Volksfest. Auf ihrem Weg zur Verbrennungsstätte laufen die Träger mit einem meterhohen Verbrennungsturm und einem Tiersarkophag auf den Schultern unter lautem Geschrei im Zickzack und im Kreis umher, denn die Seele des Verstorbenen soll den Weg zurück nach Hause nicht wieder finden. Durch die reinigende Kraft des Feuers vom Körper befreit, soll sie zu den Göttern aufsteigen und in naher Zukunft in einem Mitglied der eigenen Sippe wiedergeboren werden. Die Stufe der Wiedergeburt wird durch das karma pala des Menschen entschieden, die Gesamtheit seiner Taten. Niemand weint: Das würde nur der Seele ihren Abschied erschweren. Die aufwändigen Totenzeremonien haben schon manche Familie finanziell ruiniert, und zwischen Tod und Einäscherung können Jahre vergehen, bis die Angehörigen das nötige Geld dafür zusammengespart haben.

Praktische Infos

Tourist Information

Bali Tourism Board

www.balitourismboard.or.id

Beste Reisezeit

Günstigste Reisezeit sind die trockenen Monate von April bis September/Oktober, der meiste Regen fällt im Dezember und Januar, wobei es zu dieser Zeit aber meist auch nur ergiebige Schauer gibt und keine völlig verregneten Tage. Die Durchschnittstemperatur beträgt das ganze Jahr über 26 °C.

Einreisebestimmungen

Das erforderliche Visum wird EU-Bürgern und Schweizern bei Einreise erteilt. Es gilt 30 Tage. Will man länger bleiben, muss man es vor der Einreise beantragen oder kurzfristig ausreisen, am besten nach Australien oder Singapur.

Impfungen

Impfungen sind für die Einreise nicht vorgeschrieben. Malaria-Prophylaxe ist nicht notwendig. In stehenden Gewässern besteht Bilharziose-Gefahr.

Anreise

Mit dem Flugzeug

Flüge von Deutschland u.a. mit Emirates, KLM und Singapore Airlines nach Denpasar

Unterkunft

Amankila

Manggis, Ost-Bali

+62 363 41333
www.amanresorts.com

Schon die Lage des Amankila („friedvoller Hügel“) ist einzigartig: Die höchst luxuriösen, mit Alang-Alang-Gras gedeckten 34 Bungalows wurden terrassenförmig an einen steilen Hang an der Ostküste nahe Candi Dasa angelegt, und die Sonnenaufgänge über der Straße von Lombok sind schlichtweg atemberaubend. Jede Villa besitzt eine eigene Veranda mit Tagesbett, teilweise sogar mit eigenem Pool. Die puristische Innenausstattung ist edel, mit viel Marmor und Teak, hohen Bambusdecken und kunstvoll geschnitzten Betten, aber keinem — auch völlig überflüssigen — Fernseher. Über schattige Wege spaziert man zum Hauptgebäude, genießt den riesigen, über drei Ebenen angelegten randlosen Pool, lässt sich in strohgedeckten Pavillons zur nachmittäglichen Teezeremonie mit balinesischem Kuchen nieder oder wandert hinunter zum Strand, wo balinesische Massagen warten. Außerdem kann man sich dort in acht private Pavillons mit Sofas und Restaurantservice zurückziehen. Außerdem gibt es hier einen weiteren, von Palmen überschatteten Pool. Das Hotelrestaurant serviert leichte exquisite westliche und indonesische Küche, und in der Umgebung des Resorts gibt es besonders viele Tempel und reizvolle traditionelle Dörfer, die man mit einem individuell zugeschnittenen Ausflugsprogramm erkunden kann.

Four Seasons Jimbaran

Jimbaran, Denpasar

+62 361 701010
www.fourseasons.com/jimbaranbay

Exklusiver Fünfsterneresort an der Südspitze Balis mit 147 Villen, die sich auf sieben „Dörfer“ (jedes mit eigenem „Village Chief“) in Terrassenlage der Halbinsel Bukit inmitten üppig blühender Gärten verteilen. Natürlich gibt es einen sehr schönen randlosen Pool (mit Wasserfall), dessen Horizont fast mit dem Meer verschmilzt. Die Bungalows sind im balinesischen Stil errichtet, und selbst die preiswerteste Kategorie wartet mit einem kleinem Privatpool und separaten Schlaf-, Wohn- und Badepavillons auf. Allen nur erdenklichen Luxus bieten die zwei palastartigen Royal Villas, mit 600 m2 Wohnfläche, Antiquitäten, Butler und Kindermädchen. Dazu kommen ein veritabler Swimming Pool, ein Whirlpool und eine Sauna. Der absolut perfekte Service beginnt schon am Flughafen. Von den beiden Pavillons des Restaurants Taman Wantilan schweift der Blick über die Jimbaran Bay und die Vulkane Balis. Hier speist man international-indonesische Fusion-Küche, während im rustikalen Warung Mie leckere asiatische Nudelgerichte serviert werden. In der Kochschule des Resorts kann man sich in die Geheimnisse der balinesischen Küche einweihen lassen. Der hervorragende Spa verwöhnt mit allen balinesischen Therapie-Raffinessen.

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