Wolfgang Rössig

Copán

Maya-Stelen von Copán

Wolfgang Rössig ⚫ 17. Nov 2017

„Wenn Tikal New York wäre, dann wäre Copán Paris“ heißt es im offizielle Ruinenführer der bedeutendsten Maya-Stätte von Honduras. Einen „steinernen Wald“ nannte die renommierte Mayaforscherin Linda Schele die Gran Plaza von Copán mit ihren vielen kunstvollen Stelen. Hier erreichte die Bildhauerkunst der Maya ihren Höhepunkt.

Anders als in den übrigen Stätten sind hier beinahe vollplastische Skulpturen zu bewundern: Stolze Herrscher mit schmuckvollen Ohrpflöcken und kompliziert geflochtenen Kopfputz. Die Deutung der zahllosen Glyphen von Copán ist aber nicht weniger kompliziert als in Tikal. Die von Herrscher Rauch-Muschel (Rauch-Eichhörnchen) gestiftete Hieroglyphentreppe verzeichnet mit ihren über 1250 erhaltenen, auf 64 Stufen gravierten Steinblöcken Inthronisation und Tod jedes einzelnen Königs der copanekischen Dynastie .

Große Herrscher von Copán waren „Rauch-Jaguar“, unter dessen Herrschaft von 628 bis 695 das spätklassische Copán zur Großmacht in der Welt der Maya aufstieg. Unter „Achtzehn-Kaninchen“ (auch „Waxaklahun Ubah“), die dominierende Figur auf den Stelen der Gran Plaza, gingen die Bildhauer von Copán vom Flachrelief zur weitgehenden Vollplastik über. Copán erreichte in dieser Zeit sein heute so gefeiertes Niveau ästhetischer und technischer Raffinesse. Der König allerdings nahm ein schlimmes Ende: Er geriet in die Hände des Herrschers von Quiriguá und wurde dort geopfert. Unter Yax Pac erlebte Copán seine letzte Blüte, aber nach seinem Tod um 820 n.Chr. sank Copáns Stern. Eine unvollendete Stele macht deutlich, wie schnell das ging. Wie in Tikal hatte das übervölkerte Copán Raubbau mit der Natur getrieben, und die Bewohner verließen das verwüstete Land.

Kosmologisches Ballspiel

Copán

Den berühmten Zeremonialbereich besucht man am besten bei tiefstehender Sonne. Dann leuchten die Stelen und Altäre am intensivsten, außerdem sind dann die Glypheninschriften besser zu lesen, die mittags im gleißenden Sonnenlicht zu verschwim­men drohen. Die Führer sind allerdings kaum mit dem aktuellen Stand der archäologischen Glyphenentzifferungen vertraut. Einfacher ist die Deutung des vielleicht perfektesten aller Ballspielplätze der klassischen Mayazeit. Den Maya galt der Ballspielplatz als Arche, die auf den Wassern der Unterwelt Xibalba schwamm, und das Spielfeld so etwas wie ein gläserner Boden an dieser Arche, der Durchblicke in die Unterwasserwelt gewährte. Dort vollzog sich die immerwährende Konfrontation der Menschheit mit dem Tod. Auf dem ersten und dritten Markierstein hängt der Ball von einem Seil: vermutlich Beginn und Ende des Spiels. Auf Markierstein 2 sind zwei Spieler in kunstvollem Gewand abgebildet, die kniend den Ball zu schlagen versuchen. Die zwei Glyphen darunter weisen sie als Hunahpú - Held aus dem Schöpfungsmythos Popol Vuh - und als den Opfergott der Maya aus.

Auch Tempel 11 (773 n.Chr.) der benachbarten Akropolis, Schauplatz vieler Menschenopfer, repräsentiert die kosmologischen Unterweltsvorstellungen der Maya. Innerhalb des Rosalila-Tempels blieb sogar ein völlig intakter „begrabener“ Tempel der Maya mit buntem Stuckwerk erhalten, und der besonders schöne Tempel 22 ist innen und außen mit tiefen Steinreliefs verziert. Im Schutt fand man einige der schönsten Beispiele der Mayakunst: großartige klassische Köpfe, die Jünglinge mit sorgfältig zurückgekämmten Haar darstellen. Heute wird angenommen, dass sie den jungen Maisgott darstellen und in die Tempelfassade eingefügt wurden. Einige von ihnen sind im sehr sehenswerten Museo de Copán zu besichtigen. Ein weiteres Wunderwerk der Mayakunst ist der skulptierte Eingang des inneren Tempelheiligtums, in dem Herrscher Yax Pac Blutopferriten vollzog: auch hier wieder eine Fülle von kosmologischen Symbolen.

Praktische Infos

Tourist Information

Honduras Travel

www.honduras.travel

Copán Ruinas

www.copanhonduras.org

Beste Reisezeit

Die günstigste Reisezeit für Copán liegt zwischen Dezember und April.

Einreisebestimmungen

Deutsche, Österreicher und Schweizer benötigen zur Einreise in Honduras einen noch mindestens 6 Monate gültigen Reisepass.

Impfungen

Impfungen für die Einreise sind nicht zwingend vorgeschrieben. In ländlichen Gebieten unterhalb von 500 Metern ist grundsätzlich ein Malaria-Risiko gegeben.

Anreise

Mit dem Flugzeug

Direktflüge von Europa nach Honduras, gibt es nicht. Man fliegt also in der Regel über diverse US-Flughäfen (ESTA-Autorisierung, auch für Transit notwendig), besonders Miami, nach Tegucigalpa oder San Pedro Sula. Von beiden Städten fahren Busse nach Santa Rosa de Copán und von dort zur Ortschaft Copán Ruinas.

Unterkunft

Hacienda San Lucas

5 km südl. des Parque Central
Copán Ruinas

+504 9946 9875
www.haciendasanlucas.com

Zur Ökolodge umfunktionierte Hacienda in den Hügeln südlich der Stadt Copán, mit herrlichem Ausblick über das Tal. Nur acht sehr geschmackvoll eingerichtete Zimmer mit eigenem Bad. Die Betten sind aus örtlichem Zedernholz geschnitzt. Das Restaurant serviert vorzügliche regionale hausgemachte Küche, und auf dem Gelände gibt es sogar eine kleine archäologische Stätte. Reitausflüge werden arrangiert. Kostenloser Transfer vom Stadtzentrum.

La Casa de Café

Vier Blocks westlich des Parque Central
Copán Ruinas

+504 2651 4620
www.casadecafecopan.com

B & B in renoviertem Kolonialhaus mit schönem Garten und reizvollem Ausblick über das Tal.

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