Wolfgang Rössig

Haiti

Karibik ungeschminkt

Wolfgang Rössig ⚫ 17. Nov 2017

Jahrzehnte wartete Aubelin Jolicoeur auf die Touristenströme, die seine Regierung in teuren Hochglanzanzeigen beschwor. Die Kreuzfahrtschiffe würden wiederkommen, Touristen an den Traumstränden von Labadie baden, die Märkte voller reicher Ausländer sein, die bunte Bilder kaufen. "Pawòl pa mo", Worte sind Schall und Rauch, das wusste auch Aubelin: Er wartete über 40 Jahre lang. Damals errichtete François Duvalier mit Hilfe seiner sonnenbebrillten Schergen, den "tonton macoutes" (Onkel Schnappsack), auf Haiti eine blutige Schreckensherrschaft, der Graham Greene in seinem Roman "Die Stunde der Komödianten" ein groteskes Denkmal setzte.

Zur Ruhe ist das Land seither nicht mehr gekommen. Die amerikanischen Marines hatten 1994 zwar den aus dem Amt geputschten Präsidenten Aristide wieder zurückgebracht, aber nicht die Touristen. Nach wie vor schrieb Jolicoeur, Greenes "Petit Pierre", Kolumnen für die Zeitung "Le Nouvelliste", doch im Hotel Oloffson, das Greene als "Hotel Trianon" unsterblich machte, traf er hauptsächlich Mitarbeiter internationaler Hilfsorganisationen, die längst resigniert haben, protestantische Sektierer, schwafelnde Politiker und ein paar versprengte Journalisten.

Kulturschock Haiti

Ab und zu kommen doch ein paar Touristen ins Oloffson, wagemutige Ausflügler, die für einige Tage ihren All-inclusive-Resorts in der Dominikanischen Republik entflohen sind. Einige blicken etwas verstört drein. Gerade sind sie vom Marché de Fer zurückgekommen, haben zerlumpte Männer gesehen, die tonnenschwere Karren mit Holzkohle zogen, ausgemergelte Frauen, die Wassereimer oder riesige Ballen mit Mais auf dem Kopf balancierten, Bettler, die ihnen die verstümmelten Gliedmaßen entgegenstreckten, halbnackte Kinder, die zusammen mit Schweinen und Ratten mitten auf der Straße dampfende Abfallhaufen durchwühlten. Dabei durften sie ihren klimatisierten Kleinbus gar nicht verlassen, dessen getönten Scheiben das grelle Licht, die beißenden Gerüche, den nervzerfetzenden Lärmpegel und die pechschwarzen Rußwolken der bunten Tap-Taps fernhielten. Während jäh die tropische Nacht über Port-au-Prince hereinbricht, spülen sie den klebrigen Staub Haitis mit dem köstlichen Rumpunsch des Hotels hinunter, bevor man sie in die Luxusenklaven von Pétionville zurückbringt. Wieder im dominikanischen Urlauberclub, wird man sie umringen und sie werden, ein wenig ratlos, von ihrem Abstecher ins tiefste Afrika erzählen. Und sie werden die haitianischen Strandverkäufer mit anderen Augen ansehen.

Um die reichste Kolonie der Karibik behalten zu können, trat Frankreich 1763 ganz Kanada an England ab. Heute ist Haiti das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Warum, das läßt bereits ein Blick aus dem Flugzeugfenster ahnen. Schmerzlich klar ist die Grenze zur Dominikanischen Republik auszumachen: hüben staubig-graue Karstlandschaft, drüben grüne Berge. Die französischen Bukaniere, die sich im 17. Jahrhundert im Westteil Hispaniolas festsetzten, konnten in den dichten Wäldern der entvölkerten Insel noch Wildschweine jagen, bevor die Pflanzer von Saint-Domingue alles abhackten, was dem gierigen Zuckerrohr im Wege stand. Haiti bezahlte für Europas süße Vorlieben mit einer ökologischen Katastrophe. Wirtschaftlich blutete das Land aus, als es die Anerkennung seiner Unabhängigkeit mit astronomischen Reparationszahlungen an Frankreich erkaufen mußte. Eine endlose Abfolge korrupter Herrscher und Diktatoren plünderte danach das Land aus. Was an Reichtum geblieben ist, gehört einer winzigen Elite, gerade mal hundert Familien, die ihr Geld kofferweise nach Miami schaffen und die es wenig schert, wer unter ihnen gerade am Ruder ist.

Schwarzer Stolz

Und doch ist in den Gesichtern derer, die ums tägliche Überleben kämpfen, viel Stolz zu erkennen: "Lè nèg razè, sé la i pli brodé" lautet eines der zahllosen kreolischen Sprichwörter: "Je ärmer der Neger, desto stolzer." "Nègre" ist hier kein Schimpfwort, sondern bedeutet einfach "Mensch". Das wollte der katholische Erzbischof von Port-au-Prince nicht begreifen, als er sich 1951 weigerte, die neue Cathédrale Sainte-Trinité einzuweihen. Die dem Voodoo-Kult nahestehenden Schöpfer der faszinierenden Fresken hatten das Neue Testament kurzerhand in ein haitianisches Dorf verlegt, Jesus und die Apostel als Schwarze, Judas dagegen als Weißen dargestellt!

Das schwarze Selbstbewußtsein, das man in der Dominikanischen Republik so vermißt, kommt nicht von ungefähr. Auf der Place des Héros de l'Indépendance erinnert die 1968 aufgestellte Bronzestatue des "Marron Inconnu" mit gesprengten Ketten daran, daß die haitianischen Sklaven als einzige weltweit ihr Joch selbst abschüttelten. Haitis großer Freiheitsheld Toussaint Louverture, der die Pariser Proklamation der Bürgerrechte in den Augen der Pflanzer allzu wörtlich nahm, starb zwar elend in einem kalten Verlies Napoleon Bonapartes, doch sein Nachfolger Jean-Jacques Dessalines jagte 1804 die Sklavenhalter mitsamt ihrer malariageschwächten Bataillone aus dem Land. Bald zerstritten sich die Sieger, schwarze Tyrannen lösten die weißen Unterdrücker ab. Henri-Christophe (1767-1820), Herrscher über den nördlichen Teil des Landes, entwickelte sich nach einigen Jahren umsichtiger Politik zu einem größenwahnsinnigen Despoten und ließ sich 1811 sogar zum König Henri I. krönen. Sein nach Potsdamer Vorbild errichtetes "Schloß Sanssouci" war das "königlichste Gebäude der Neuen Welt". Durch die einst mit Kristallüstern, edlen Holztäfelungen und Wandteppichen reich ausgestatteten Hallen wandelten der schwarze Graf von Limonade und der Herzog von Marmelade. Sie wollten es ihren ehemaligen weißen Herren gleichtun, doch die Furcht vor ausländischer Invasion erstickte bald die hochfliegenden Ideale europäischer Aufklärung. Wie Sklaven trieb der Monarch die 200000 Menschen an, die von 1804 bis 1807 in schlimmster Zwangsarbeit auf dem 945 Meter hohen Pic La Ferrièrre die mächtigste Festung der Neuen Welt errichteten. Dabei hätte das Bollwerk, das einst 365 Kanonen und bis zu 15000 Soldaten verteidigten, eigentlich die neue Freiheit der Schwarzen schützen sollen. Dennoch läßt sich kein Haitianer seine Bewunderung dieses "Achten Weltwunders" nehmen. Nach den namenlosen Erbauern des römischen Kolosseums fragt schließlich auch niemand mehr.

Die Selbstbefreiung der Sklaven

Die Franzosen haben den Verlust ihrer karibischen Schatzkammer lange nicht verwunden, und reden noch heute wehmütig von der Zeit, als Cap Haïtien das "Paris der Antillen" war, in dem Pauline Bonaparte hofhielt, die Gemahlin des französischen Expeditionsgenerals Leclerc. Doch dann kam die Zeit, in der, wie es Heinrich von Kleist schaudernd in seiner "Hochzeit von Santo Domingo" formulierte, "die Schwarzen die Weißen ermordeten". Die Haitianer sind überzeugt davon, daß der Voodoo ihr Land befreit hat. Der Glaube an die Götter ihrer westafrikanischen Heimat war alles, was den Schwarzen geblieben war, als sie nackt und halbtot nach der schrecklichen Atlantiküberquerung an Land stolperten. Die weißen Sklavenhalter fürchteten die nächtlichen Trommeln, deren Sinn sie nicht verstanden, und ihre Sorge war berechtigt. Acht Kilometer südwestlich von Cap Haïtien oder "Okap", wie man auf kreolisch sagt, liegt die ehemalige Zuckerplantage Habitation Le Normand de Mézy, auf der mehrere Revolten ausbrachen, angefacht von entlaufenen Sklaven, die mächtige Voodoopriester waren. Mitte des 18. Jahrhundert terrorisierte der Häuptlingssohn Mackandal die nördliche Ebene, vergiftete Nahrung und Wasser, bis man ihn schließlich bei lebendigem Leib verbrannte. Im - inzwischen längst abgeholzten - Bois Caiman versammelten sich die Sklaven am 14. August 1791 zu einer geheimen Voodoo-Zeremonie, bevor sie unter der Führung des Voodoo-Priesters Boukman losschlugen, Herrenhäuser und Zuckerrohrfelder in Brand steckten und Hunderte von französischen Siedlern massakrierten. Die erste erfolgreiche Sklavenrevolte der Geschichte hatte begonnen.

Lebendiger Voodoo-Glaube

In Port-au-Prince inszeniert das Hotel Oloffson für die wenigen Touristen einen bunten Voodoo-Zauber, bei dem viel getrommelt und getanzt wird, und vielleicht beißt sogar eine "Priesterin" einem Hahn den Kopf ab und trinkt das Blut. Doch mit Voodoo hat das wenig zu tun. Schon authentischer geht es in dem kleinen Dörfchen Ville-Bonheur bei Mirabalais zu, das etwa 60 Kilometer nördlich von Port-au-Prince liegt. Unweit des mächtigen Wasserfalls von Saut d'Eau soll die Jungfrau Maria in einer Palme erschienen sein, und so strömt am 15. Juli (Mariä Himmelfahrt) hier die größte Pilgerschar des Landes zusammen. Auch Außenstehende können sehen, wie sehr sich in Haiti afrikanische und christliche Glaubensvorstellungen miteinander vermischen. In den seichten Sammelbecken des dreißig Meter hohen Wasserfalls Saut d'Eau reinigen sich die Voodoo-Anhänger, während unzählige flackernde Kerzen die Hilfe der alten Geister beschwören, die hier leben sollen. Zehn Tage später feiert man im Wallfahrtszentrum Plaine du Nord, das zwölf Kilometer südwestlich von Cap Haïtien liegt, das Patronatsfest des hl. Jakob, der als Verkörperung des Voodoo-Gottes Ogou gilt. Zwei Tage lang trommeln und tanzen die Voodoo-Anhänger, während sich die von Ogou Besessenen in einem Schlammtümpel wälzen. Man muß aber schon das Vertrauen eines Haitianers aus der Unterschicht genießen und einige Hundert Dollar übrig haben, um der Zeremonie in einem echten "Ounfò" beiwohnen zu dürfen. In diesen Tempeln stehen Devotionalien wie ein Bild der Jungfrau, ein heiliger Stein, aber auch leere Rum- und Colaflaschen. Die Kulthandlungen leiten initiierte Priester ("oungans") oder Priesterinnen ("manbos"). Außerdem gibt es weitere in der schwarzen Magie besonders bewanderte "bocors" sowie Personen, die oft erstaunliche (und gefährliche) Kenntnisse der Pflanzenheilkunde besitzen.

Eine priesterliche Hierarchie kennt der Voodoo (Fon-Sprache für "Gott") nicht: Oungans, Manbos und Bocors fungieren in erster Linie als Mittler zwischen der Welt der Lebenden und der Geister. Bei den Voodoo-Zeremonien in den Ounfòs singen die Teilnehmer das Lied des Schlangengottes Dambala, der Priester oder die Priesterin schneidet nach allerlei Vorbereitungen einer Ziege mit einem schnellen Schnitt den Hals durch oder reißt bzw. beißt einem Hahn den Kopf ab: Das fließende Blut wird in einem Behälter gesammelt und den Göttern präsentiert. Manche Teilnehmer trinken anschließend von dem Blut oder benetzen sich damit den Körper und die Kleider. Rumflaschen keisen, deren Inhalt die Feiernden herausprusten. Der unaufhörliche Trommelwirbel läßt immer mehr der ekstatisch Tanzenden in Trance fallen. Manche strecken sich wie im Koma aus, andere werden von heftigen Krämpfen geschüttelt: alles Zeichen, daß die "loas" von ihren Körpern Besitz ergriffen haben, von denen die Person "wie ein Pferd geritten" wird.

Der Voodoo-Gläubige sucht sich gutzustellen mit den unzähligen Ahnen und Geistern, die wie Schutzengel von Einzelpersonen und Familien anzusehen sind, und behandelt sie mit äußerstem Respekt. Ihr Zorn kann den Unachtsamen ins Verderben stürzen. In den Träumen oder in der zeremoniellen Trance treten die Ahnen mit den Lebenden in Verbindung, offenbaren Geheimnisse oder geben Anordnungen.

Heer der Zombies

Kein Wunder, daß die Herrschenden den Voodoo immer wieder für ihre Zwecke mißbrauchten. Diktator François Duvalier ("Papa Doc"), der sich bereits in jungen Jahren als Landarzt und Anthropologe mit Voodoo beschäftigt hatte, ernannte sich zum "Präsidenten auf Lebenszeit" und schwang sich im Volksglauben zum blutdürstenden "Baron Samedi" auf, zum Herrn über Leben und Tod, der sich seine Macht mit einem Heer von Zombies sicherte. Diese "Untoten" sind Personen, die durch spezielle Nervengifte in einen komaähnlichen Zustand versetzt wurden, als Scheintote beerdigt und nach einigen Stunden wieder exhumiert werden, um ihren schrecklichen Herren als willenlose Sklaven für schwerste Arbeiten zu dienen. Die Schattenwesen ohne Erinnerung an ihr früheres Leben dürfen weder Fleisch noch Fisch zu essen bekommen und auf keinen Fall Salz zu sich nehmen, sonst erlangen sie ihr früheres Bewußtsein zurück und üben schreckliche Rache an ihren Peinigern.

Ammenmärchen? Im Strafrecht Haitis gibt es jedenfalls ein Gesetz, das Zombie-Magie dem Mord gleichstellt. Viele führen die urplötzlichen Gewaltausbrüche, die Haiti immer wieder heimsuchen, auf ein "Erwachen" des Volks aus seiner zombieähnlichen Lethargie zurück. Dann beginnt das "dechoukaj", das Ausrotten mit Stumpf und Stiel, das selbst vor den Friedhöfen nicht haltmacht. "Hier sind gewaltsame Tode natürliche Tode", schrieb Graham Greene in "Die Stunde der Komödianten". Baron Samedi, der unheimliche Herr der Friedhöfe, führt nach wie vor ein unangefochtenes Regiment. 1986 soll ihm Duvaliers Sohn "Baby Doc", bevor er nach Frankreich flüchtete, zwei ungetaufte Babys geopfert haben, damit keiner je seinen Platz würde einnehmen können. Noch jüngeren Datums sind die Voodoo-Drohungen, die der Putschistengeneral Raoul Cédras ausstieß, als die USA im September 1994 die Invasion Haitis ankündigten, um die Rückkehr von Präsident Aristide zu erzwingen.

Stummer Zeuge der grenzenlosen Macht (und Ohnmacht) von Haitis Herrschern ist der grellweiße Palais National im Zentrum von Port-au-Prince. Er wurde nach dem Vorbild des Washingtoner Kapitols und des Pariser Petit Palais mit hoher Säulenvorhalle errichtet. Das Militär bewacht ihn wie eine Festung. Kein Wunder, die meisten Regierungen Haitis fanden ein gewaltsames Ende. Die Vorgängerbauten des Palasts flogen 1869 und 1912 in die Luft: mitsamt ihrer Präsidenten. Jean-Bertrand Aristide hatte mehr Glück. Er wurde in letzter Minute gerettet, als die Soldaten des Putschistengenerals Cédras ihn aus dem Palast zerrten und lynchen wollten. Wer weiß, vielleicht wird der protzige Nationalpalast schon bald wieder ein Gastspiel im Fernsehen geben.

Port-au-Prince

Das alles macht den Entschluß, auf eigene Faust durch Port-au-Prince zu bummeln, nicht leichter. Immerhin liegen die zwei besten Museen des Landes in Rufweite von Nationalpalast und Holiday Inn. Das Musée du Panthéon national haïtien versammelt die wichtigsten Schaustücke der haitianischen Geschichte. Glanzstück ist der vier Meter große Anker der Santa María: Sie war das Flaggschiff von Kolumbus, das vor Cap Haïtien auf ein Riff lief. Mit ihren Planken entstand die erste Siedlung der Neuen Welt, La Navidad. Stolz präsentiert das Museum auch die Plantagenglocke, mit der Toussaint Louverture 1793 die Freiheit der Sklaven einläutete, sowie die silberne Pistole, mit der sich 1820 der von einem Schlaganfall gelähmte König Henri-Christophe erschoß, nachdem ihn seine Palastgarde verraten hatte. Ein Ölgemälde des Walisers Richard Evans von 1818 zeigt den Despoten. Das angegliederte Mausoleum bewahrt als "Symbol der Einheit" die Gräber des Mulatten Pétion, der Simón Bolívar unterstützte, und des Schwarzen Toussaint Louverture.

Noch immer geschlossen ist leider ein paar Schritte südlich in der Rue Capois das faszinierende Musée d'Art Haïtien, das 2010 vom verheerenden Erdbeben schwer beschädigt wurde. Noch ist nicht sicher, wann es wieder öffnen wird. Es ist traurig, dass noch immer nicht die halbe Million Dollar aufgebracht werden konnten, die eine Restaurierung kosten würde. Dabei demonstrierte dieses Museum, wie kreativ die haitianische Kunst der Gegenwart ist. Die besten Maler des Landes sind hier versammelt. Viele Werke mögen eine friedliche Dorfidylle, einen grünen Garten Eden mit Palmen und pastellfarbenen Häuschen zeigen, doch gemalt wurden sie oft in den staubigen Bidonvilles von Port-au-Prince oder in elenden Dörfern ohne Strom und Wasser, wo die Bauern dem ausgelaugten Böden jedes einzelne Korn entreißen müssen. Oft ist das Attribut "naiv" kaum angemessen. Haitis Maler waren stets die Speerspitze der karibischen Avantgarde, und das sind sie heute noch. Manche Bilder verschmelzen Einflüsse der afrikanischer Skulptur mit Stilelementen kubistischer und mexikanischer Maler und tränken sie mit Voodoo-Symbolik. Toussaint Auguste, Rigaud Benoit, Philomé Obin, Castera Bazile, Hector Hyppolite, Saint-Soleil, André Pierre oder Saint-Brice: Sie alle sind Beispiele für die künstlerische Kreativität Haitis, die schon der französische Surrealist André Breton bewunderte und André Malraux 1972 beredt als "Weltkunst" zu rühmen wußte. Für manche Künstler legt man in New York und Paris inzwischen ein kleines Vermögen auf den Tisch, doch den großen Reibach machen in erster Linie die Galeristen. Diese geben sich im Centre d'Art (Rue de l'Enterrement) die Klinke in die Hand. Es liegt nur zwei Blocks westlich der Cathédrale Sainte-Trinité, letztere selbst ein Juweil der haitianischen Malerei.

Nachts ist Port-au-Prince für Touristen allerdings tabu. Ein "Blanc" müßte schon sehr mutig sein, um sich in die Nachtclubs der düsteren Hafenviertel zu wagen, wie zum Beispiel ins Le Lambi, wo der - vorzügliche - Barbancourt-Rum in Strömen fließt und pechschwarze Pärchen engumschlungen zur Musik der Compas-Gruppen tanzen. Leute mit hellerer Hautfarbe speisen und tanzen in Pétionville: Hier kochen einige der besten Chefs der Karibik, und während man bei einem köstlichen Colombo (kreolisches Curry) sitzt, vergißt man schnell, daß die meisten Einwohner von Port-au-Prince mit einer Handvoll Reis und Bohnen schlafen gegangen sind. Ein kreolisches Sprichwort hört man aber auch in den Künstlercafés von Pétionville immer öfter, wenn es um die Frage geht, in welchen dunklen Kanälen die internationalen Hilfslieferungen verschwinden, was aus den vielen Bootsflüchtlingen wird, die sich mit jämmerlichen Kähnen auf den Weg nach Miami machen, und wo die von der Regierung versprochenen Touristen bleiben: "Pati pa rivé", aufbrechen heißt noch lange nicht ankommen, mein Freund. Es sieht so aus, als würden die Nachfolger von Aubelin Jolicoeur noch eine Weile warten müssen.

Praktische Infos

Tourist Information

Ministère du Tourisme

8 Rue légitime
Port-au-Prince

+509 38163208
Web: www.haititourisme.gouv.ht

Einreisebestimmungen

Ein- und Ausreise

Zur Einreise (bis drei Monate Aufenthalt) benötigen Österreicher, Deutsche und Schweizer einen Reisepass, der ab Ankunftsdatum noch mindestens sechs Monate gültig sein muss.

Anreise

Mit dem Flugzeug

Internationale Flüge starten und landen auf dem Aéroport International Toussaint Louverture im Norden von Port-au- Prince. Direktflüge von Deutscland gibt es nicht. Air France fliegt von Paris, außerdem Verbindungen von diversen Flughäfen der USA und der Karibik mit JetBlue Airways, American Airlines, Spirit Airlines, Air Antilles Express, Insel Air, InterCaribbean Airways, Delta, Cubana, Copa, Aeromexico und Avianca.

Mit dem Bus

Von Santo Domingo in der Dominikanischen Republik fahren Caribe Tours, Metro Bus und Capital Coach Line in ca. 9 Stunden nach Port-au-Prince.

Unterkunft

Hôtel Oloffson

60 Avenue Christophe
Port-au-Prince

+509 38104000
Web: www.hoteloloffson.com

Haitis berühmtestes Hotel, im karibischen Gingerbread-Stil.

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