Wolfgang Rössig

Nordlicht über Lappland

Himmelsfeuer über Lappland

Wolfgang Rössig ⚫ 17. Nov 2017

Werden sie heute tanzen, die himmlischen Schleier der Aurora Borealis? Die Schamanen der Sámi konnten einst die Götterfackeln herbeirufen und mit ihren Zaubertrommeln eine Pforte in die andere Welt öffnen. Wer das Nordlicht entziffern kann, heißt es im finnischen Nationalepos Kalevala, löst das Geheimnis vom Ursprung der Welt.

Knackige Kälte, eine klare nordfinnische Polarnacht, in der Millionen Sterne der Milchstraße zum Greifen nahe scheinen: Im Mondlicht glitzert der Schnee, bei minus 30 Grad knirscht er wie harter Quarzsand unter den Stiefeln. Doch der »Revuntulet«, der Feuerfuchs, kommt heute nicht. Die Enttäuschung wird bald vergessen sein, denn die Farben des anbrechenden Februartages sind nicht minder faszinierend. Gerade erst hat das Sonnenlicht die lange Kaamoszeit, in der es überhaupt nicht hell wird, besiegt. In den ersten Tagen nur für wenige Minuten, dann für ein paar Stunden taucht es die filigranen Schneelandschaften in Finnlands hohem Norden in ein unwirklich zartes, immer intensiver glühendes Rosa, bevor die stundenlange blaue Dämmerung zurückkehrt.

Durchschnittliche Tiefsttemperaturen von minus 35 Grad schrecken Lapplandtouristen längst nicht mehr, Guides halten für ihre Touren mollig-warme Kluft und wattierte Stiefel bereit. Nur Polarlichter können sie nicht herbeizaubern. Aber dass sie nirgendwo schöner sind als im Norden Finnlands, davon sind sie überzeugt. Im weiter nördlich liegenden norwegischen Tromsö zum Beispiel erscheinen sie zwar öfter, doch ist die Luft am Meer feuchter, der Himmel dort also öfter bedeckt. Und dann sieht man gar nichts.

Welt der Sámi

Faszinierende Einblicke in die Traditionen der Sámi liefert das Sámi-Museum im weit jenseits des Polarkreises gelegenen Kirchdorf Inari. Früher zogen sie ihren Rentierherden hinterher, schlugen Tag für Tag in wenigen Minuten ihre großen Zelte auf. In Mußezeiten schnitzten sie kunstvolle Finnmesser, deren Scheide aus Rentierhorn mit uralter Ornamentik verziert wurde. Noch immer leben hier manche von der Rentierzucht, vom Fischen und Eisangeln auf dem Inarisee. Farben und Muster ihrer kunstvollen Tracht unterscheiden sich von Dorf zu Dorf, und Eingeweihte erkennen sogar, welcher Sippe der Träger angehört. »Wir haben die Farben des Nordlichts in unsere Kleidung gewebt«, sagen die Sámi.

Unterwegs mit Nordlichtjägern

Am häufigsten tritt Aurora Borealis rund um die Tag- und Nachtgleichen auf. Doch manchmal erhellt nur ein schwachgrauer Schein den Nachthimmel. Die Rettung für enttäuschte Polarlichtfans verkörpern nicht selten »Aurora Hunter«. Die verlassen sich nicht auf den »Nordlichtweckdienst« der Hotels, sondern auf SMS-Dienste, z.B. des Finnischen Meteorologischen Instituts. Sie informieren über bevorstehende Polarlichterscheinungen. Sonnenwinde sind unterwegs zur Erde, verkündet auch das Radio. Rund um den geomagnetischen Pol im äußersten Norden Grönlands prallen sie auf das Magnetfeld der Erde, ihre Teilchen werden zurück in die Magnetosphäre geschleudert. So entsteht das Nordlicht. Je tiefer der Teilchensturm in die Atmosphäre eindringt, desto intensiver die Aurora.

Trifft die ersehnte SMS ein, sammeln die Nordlichtjäger ihre Kunden auf und fahren oft mehrere hundert Kilometer weit, bis eine Region mit sternklarem Himmel erreicht ist. Landschaftlich besonders reizvoll sind der Nationalpark Pallas-Yllästunturi und der Saanatunturi im Dreiländereck zwischen Finnland, Schweden und Norwegen. 1029 Meter hoch ist der heilige Berg der Sámi bei Kilpisjärvi. In der Ferne heulen Hunde auf, als der erste mattgrüne Schein aufflackert, wieder verschwindet, immer schwungvoller zurückkehrt, bis eine chartreusefarbene Lichtfahne über das schwarze Firmament flattert. Plötzlich scheint der Himmel förmlich in Spiralen, Bändern und Kaskaden zu explodieren und zaubert in allen Regenbogenfarben magische Lichtflecken auf die glitzernden Schneeflächen und die ihrer gewaltigen Schneelast trotzenden Fichten. Es ist jetzt so hell, dass man mühelos Zeitung lesen könnte. Ein konturenloser Vorhang in Magenta und Orange wandert langsam über den mythischen Berg, immer wieder durchzuckt von grüngelben Feuerfuchsstrahlen: in dieser Intensität auch im hohen Norden ein seltenes Schauspiel. Die Fotografen verkürzen die Belichtungszeiten. Die Kameras werden ohnehin mehr sehen als das menschliche Auge. Und spätestens jetzt hat es wieder zugeschlagen, das Polarlichtfieber: Diagnose unheilbar.

Praktische Infos

Tourist Information

Visit Finland

Porkkalankatu 1
00181 Helsinki

+358 2946951
visitfinland.info@visitfinland.com
www.visitfinland.com

Rovaniemi Tourist Information

Lordi's Square, Maakuntakatu 29
96200 Rovaniemi

+358 16346270
info@visitrovaniemi.fi
www.visitrovaniemi.fi

Mitte Juni-Mitte Aug, Ende Nov.-Anf. Jan. Mo-Fr 9-18, Sa/So 9-15 Uhr, sonst Mo-Fr 9-17 Uhr

Kemi Tourism Ltd

Kauppakatu 29
94100 Kemi

+358 16 258 878
sales@visitkemi.fi
www.visitkemi.fi

Nordlicht Information

Luosto Northern Lights Club
www.northernlightsclub.fi

Anreise

Mit dem Flugzeug:

Finnair und Norwegian fliegen täglich von Helsinki (HEL) nach Rovaniemi (RVN)

Mit dem Bus:

Expressbusse von Kemi (1½ to 2½ Std.) und Oulu (3-4 Std.) nach Rovaniemi, außerdem Nachtbusse von Helsinki (knapp 13 Std.).

Mit dem Zug:

Zugverbindung mit VR 3x tgl. zwischen Helsinki und Rovaniemi (10-12 Std., auch Schlaf- und Liegewagen) via Oulu, von Rovaniemi 1x tgl. nach Kemijärvi (1½ Std.).

Veranstalter

Luxury Nordic Travel

www.luxuryaction.com

Unterkunft

Levi Igloos und Northern Lights House

http://leviniglut.net/

Hotel Iso-Syöte - Eagle's View Suite

www.hotelli-isosyote.fi

Wilderness Hotel Nellim - Northern Lights Tours

https://nellim.fi/

Santa's Hotels

www.santashotels.fi

Arctic TreeHouse Hotel

www.arctictreehousehotel.com

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