Wolfgang Rössig

Parque Nacional Manuel Antonio

Gringolandia am Pazifik

Wolfgang Rössig ⚫ 17. Nov 2017

An Costa Ricas Pazifikküste schießen Fincas und Condominiums wie Pilze aus dem Boden: Reservate von „Gringolandia“. Immer mehr Land in bester Lage kaufen nordamerikanische „Expats“ auf. Aber das hat auch positive Auswirkungen. Mit Dollars schützen idealistische amerikanische und europäische Residenten den Regenwald vor der Zerstörung und sorgen dafür, dass die Schildkröten ihre Eier an manchen Strandabschnitten wieder unbehelligt ablegen können. Rekordverdächtige 30 Prozent des nationalen Territoriums sind inzwischen Reservate, Naturparks oder anderweitig geschützte Zonen.

Ja sogar einheimische Surfer werden von den Expats gesponsert, um sie fit für internationale Wettbewerbe zu machen. Die besten von ihnen, Expats und Ticos, versammeln sich an der Playa Naranjo ganz im Norden der costaricanischen Pazifikküste, um am schwer zugänglichen Hexenfelsen, der Roca Bruja, die mächtigen Wellen eines der Topsurfreviere der Welt zu reiten. Noch weiter nördlich, kurz vor der Grenze zu Nicaragua, liegt die grüne, mit ihren schroffen Felsen und kleinen Inseln geradezu schottisch anmutende Bahia Salinas, das Revier der Kitesurfer.

Surfer und Schildkröten

Playa Tamarindo
Playa Tamarindo

Besonders beliebt sind die wunderschönen Pazifikstrände weiter südlich. Schon machen sich Geheimtipps rar. An der wirklich schönen Playa Hermosa ist ein Bauboom sondergleichen ausgebrochen, die Playa Flamingo wurde von amerikanischen „Sportanglern“ besetzt, und die Playa Potrero mit ihren fabelhaften weißen Sandstränden in der Umgebung sollte man möglichst bald besuchen, denn auch hier werden schon die Claims abgesteckt. Die bei Surfern beliebte Playa Tamarindo hat sich schon beinahe in das Mallorca Costa Ricas verwandelt, mit vergleichbar heißem Nachtleben. Allerdings kann man hier, an den Stränden des Parque Nacional Marino Las Baulas de Guanacaste, zwischen Mitte Oktober bis Mitte Februar ein einmaliges Schauspiel verfolgen. Dann kommen allein an der Playa Grande an die hundert, bis zu 500 kg schwere pazifische Lederschildkröten, die Baulas, an Land, um hier ihre Eier im Sand zu verbuddeln. Leider rückt ihnen der Touristenboom von Tamarindo immer näher.

Man trifft die Baulas auch weiter südlich, an der Playa Junquillal, ein noch kaum entdeckter Strand von rauer Schönheit. Ein Ausritt mit bestens gepflegten Pferden — anderswo keine Selbstverständlichkeit! — an kilometerlangen menschenleeren Stränden bei Sonnenuntergang zählt zu den Höhepunkten eines Urlaubs am Pazifik.

Refugio de Fauna Silvestre Ostional

Einige Kilometer weiter südlich, im Refugio de Fauna Silvestre Ostional, spielen wieder Schildkröten die Hauptrolle. Diesmal sind es die wesentlich kleineren, Laras genannten Bastard-Schildkröten, die zwischen Juli und Dezember zu Zigtausenden im Licht des abnehmenden Mondes aus den Fluten krabbeln, um am Strand ihre Eier abzulegen. „Arribada“ nennt man diese Massenankunft, und ein Naturschutzprojekt hat einen schönen Kompromiss zwischen dem Schutz der Tiere und dem Wunsch der Einheimischen gefunden, die Schildkröteneier als cholesterinarme (und angeblich aphrodisische) Delikatesse zu verspeisen. Die ersten Eier, die von der nachfolgenden Armada der Tiere ohnehin zertrampelt werden, dürfen gesammelt und legal verkauft werden. Die übrige Zeit sorgen Patrouillen am Strand für den Schutz der Eier.

An den Stränden der Halbinsel Nicoya, besonders am Korallenstrand Playa Sámara, tummeln sich hedonistische Expats und Ticos harmonisch vereint, während das ehemalige Fischerdorf Montezuma weiter südlich das Zentrum der „kreativ-alternativen“ Szene ist. Südwestlich der Hafenstadt Puntarenas liegen weitere herrliche Strände. An der Playa Herradura kurz vor Jacó drehte Ridley Scott 1992 zweieinhalb Monate lang seinen Kolumbusfilm „Die Eroberung des Paradieses“. Jacó selbst vereinigt dagegen eher die unerfreulichen Auswirkungen des Tourismusbooms.

Parque Nacional Manuel Antonio

Sonnenuntergang an der Pazifikküste

Dann wieder Schönheit, wenn auch keine unberührte: Im Parque Nacional Manuel Antonio kann man frühmorgens, wenn die Touristen noch schlafen, Totenkopfäffchen beim Spielen zusehen, und später an wunderschönen blendendweißen Sandstränden in kristallklarem Wasser baden. Die meisten Hotels liegen am Hang: Meerpanorama garantiert.

Wieder etwas weiter südlich, im Parque Nacional Marino Ballena, ziehen in den Sommermonaten Buckelwale an der Küste vorbei. Landeinwärts bietet sich ein unerhörtes Kontrastprogramm: Hier erhebt sich der Cerro Chirripó, der mit 3819 Metern höchste Gipfel von Costa Rica. Nur 40 Besucher täglich dürfen ihn besteigen. Man benötigt etwa acht Stunden für den Aufstieg. Übernachtet wird in der Hütte Los Crestones unterhalb des Gipfels, so dass man am nächsten Tag den magischen Sonnenaufgang über den Gletscherseen der Cordillera Talamanca erleben kann. Zurück aus eisigen Höhen badet man am Nachmittag bereits wieder im warmen Pazifik.

Parque Nacional Corcovado

Pfeilgiftfrosch

An der südlichen Pazifikküste, bis zur Grenze Panamas, kommt Costa Rica dem Paradies sehr nahe. Hier ist der Touristenboom nicht wirklich angekommen: noch nicht. Auf einem Treck durch den Parque Nacional Corcovado glaubt man sich fast in den Urwald des Amazonas versetzt. In den Lüften kreisen anderswo fast ausgestorbene Adlerarten. In den Niederungen ist es heiß und schwül, gierige Moskitos stürzen sich auf jedes Stück unbedeckte Haut, aber im sattgrünen Wald kreischen rote Aras, die man hier Lapa Roja nennt. Man begegnet Tapiren und Totenkopfäffchen, aber auch den in Gelb, Grün, Orangerot oder sogar Blau leuchtenden Pfeilgiftfröschen, die Werbeposter und Buchcover zieren. Küssen sollte man sie allerdings nicht: Ihr Toxin kann Muskel- und Atemlähmungen hervorrufen. Ebenso sollte man unbedingt darauf verzichten, sie als Souvenir mit nach Hause zu nehmen: Sie fallen unter das Artenschutzabkommen. Abenteuerlust sollte man dagegen schon mitbringen, denn in den Flüssen gibt es Krokodile und in Küstennähe auch Haie, von den Schlangen ganz zu schweigen.

Danach ist Erholung angesagt, in der Bahia Drake. Hier ging schon der englische Korsar Francis Drake vor Anker. Man schnorchelt in türkisblauen Buchten, liegt an weißen Stränden, hinter denen grüner Regenwald aufsteigt, und fährt mit dem Kajak den Rio Claro flussaufwärts zu einem versteckten Wasserfall. Und wer mal so richtig die Seele baumeln lassen will, verbringt einige Tage auf der Yoga Farm in Punta Banco ganz im Süden, hart an der Grenze zu Panamá: Regenwald und Meeresrauschen mit Yoga, Massagen, Tanz und veganischer Küche.

Praktische Infos

Tourist Information

Visit Costa Rica

www.visitcostarica.com

Beste Reisezeit

In Costa Rica herrscht tropisches Klima, die Temperaturen unterliegen nur geringen jahreszeitlichen Schwankungen und liegen um die 26° C im Tiefland, 22° C im Zentralland und unter 10° C ab einer Höhe von 3000 Metern. Beliebteste Reisezeit ist die Trockenperiode (Dezember bis April); während der Regenzeit (Mai bis November) ist Nebensaison, aber auch in dieser Zeit lässt sich das Land gut bereisen. Costa Rica ist dem von Ost nach West wehenden Passat ausgesetzt, der in den Monaten Dezember bis März am stärksten bläst. Wirbelstürme können von August bis Oktober auftreten.

Einreisebestimmungen

Bürger der EU-Länder und aus der Schweiz benötigen für einen Aufenthalt von bis zu 90 Tagen nur einen gültigen Reisepass.

Impfungen

Impfungen für die Einreise sind nicht zwingend vorgeschrieben. In ländlichen Gebieten unterhalb von 500 Metern (z. B. in den Provinzen Alajuela, Guanacaste, Limón und Puntarenas) ist grundsätzlich ein Malaria-Risiko gegeben.

Anreise

Mit dem Flugzeug

Flüge von Europa über Amsterdam (KLM), Paris Charles de Gaulle (Air France), London Heathrow (British Airways) oder Madrid (Iberia) sowie mit diversen amerikanischen Airlines über US-Flughäfen nach San José. Von dort fahren Busse in die diversen Orte an der Pazifikküste.

Unterkunft

Lagarta Lodge

Nosara, Halbinsel Nicoya

+506 2682 0035
www.lagarta.com

Das unter Schweizer Leitung stehende kleine Hotel liegt 40 m über Meer auf einem Hügel und bietet dem Gast von allen sechs unlängst renovierten Zimmern ein traumhaftes Panorama der Pazifikküste von Ostional an der Flussmündung des Rio Nosara. Ein eigenes privates Naturschutzgebiet, die Reserva Biológica Nosara, mit zahlreichen Vogelarten, umgibt die Lodge, und ein Wanderweg führt in 10 Minuten zum wunderschönen Sandstrand der Playa Pelada. Die Zimmer bieten Privatbad mit heißem Wasser. Im Terrassen-Restaurant speist man lokale und internationale Spezialitäten und genießt einen herrlichen Sonnenuntergang. Schöne Poolanlage im Schatten von Palmen. Die Lodge arrangiert Touren nach Ostional zu den Eiablageplätzen der Meeres-Schildkröten, Bootsfahrten im Mangrovengebiet des Río Nosara und Reitausflüge.

Hotel Cristal Ballena

Playa Ballena/Uvita

+506 2786 5354
www.cristal-ballena.com

An der zentralen Pazifikküste liegt dieses neue Luxushotel unter herzlicher österreichischer Leitung, etwa 6 km hinter Uvita, in traumhafter Hanglage mit Meerblick, riesigem Pool, sehr komfortablen Zimmer und Suiten mit Himmelbetten und einem guten Restaurant mit aufmerksamem Service und köstlichen Spezialitäten. In der Umgebung locken viele einsame Buchten im Meeresnationalpark Ballena. Arrangiert werden Bootsfahrten zu Vogelfelsen, bei der man nicht selten von Delfinen begleitet wird, oder Ausritte zu einem einsamen Wasserfall, eine Exkursion im Naturreservat Barú oder ein Rundflug mit einem Ultralight-Flugzeug..

Aktivitäten

Wellenreiten und Windsurfen

Die besten Surfplätze am Pazifik findet man vor allem auf der Nicoya-Halbinsel, z B. Playa Negra und Tamarindo. Als beste Monate gelten Juli/August und Oktober/November. Das beste Binnenrevier für Windsurfer ist der Lago Arenal, an dessen Westufer von November bis April ein beständiger Nordostwind mit Windstärken bis 120 km/h bläst.

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