Wolfgang Rössig

Nebelwald Monteverde

Costa Ricas Nebelwälder

Wolfgang Rössig ⚫ 17. Nov 2017

Markerschütterndes Gebrüll und Gekreische schallt über die mächtigen Baumkronen des Nebelwaldes: Welche der vier Affenarten Costa Ricas mag es wohl sein? Die fünfte, grinst ein einheimischer Führer: Es sind Gringos beim Canopying, das angeblich jeder vierte Tourist in Costa Rica wenigstens einmal erleben möchte. Dabei rauscht man wie Tarzan und Jane, allerdings nicht an Lianen schwingend, sondern mit dem Flaschenzug einen Urwaldriesen hinauf und dann an Stahlseilen horizontal von Plattform zu Plattform durch das Blätterdach des Regenwalds, ausgerüstet mit Klettergurt, Bauhelm und Gärtnerhandschuhen mit Metalleinsatz.

Über hundert Anbieter dieser zunächst nervenzerfetzenden, aber letztlich (in der Regel) nicht gefährlichen Art, wie die Affen durch Costa Ricas Regenwald zu turnen, gibt es inzwischen. Vor einigen Jahren bekamen sie alle Ärger, als nämlich der „Erfinder“, der Kanadier Darren Hreniuk, sein Konzept patentieren ließ und von allen anderen Lizenzgebühren forderte, bisher vergebens allerdings.

Ob Canopying wirklich die beste Methode ist, die vielfältige Pflanzen- und Tierwelt der Regenwälder Costa Ricas kennen zu lernen, bleibt dahingestellt. Gerade der Nebelwald des regenreichen Schutzgebiets Monteverde, das genau auf der kontinentalen Wasserscheide zwischen Pazifik und Karibik liegt, lässt sich auch „sanfter“ und gemächlicher entdecken, nämlich auf einem „Sky-Walk“ durch die benachbarte und wesentlich ruhigere Santa Elena Cloud Forest Reserve. Hier wandert man mit Führer in einer Höhe von bis zu 60 Metern über sechs schwankende Hängebrücken und erschreckt dabei keine Tiere. Außerdem kann man den Nebelwald auch auf Lehrpfaden abseits der Massen entdecken.

Faszination Nebelwald

Monteverde
Monteverde

Aber wie entsteht eigentlich Nebelwald? Es sind feuchtwarme Winde von der Karibik, die in den Hügeln abkühlen und kondensieren. Das ganze Jahr über hängen dichte Nebelschwaden im Blätterdach des Monteverde und tropfen durch bis zum Boden. Wo keine Canopy-Touristen Lärm machen, hört man Affen brüllen, Frösche quaken und Quetzalvögel rufen. Faultiere hängen kopfunter von den Ästen, vielleicht erspäht man einen Tukan mit seinem Riesenschnabel und mit sehr sehr viel Glück sogar den seltenen, prachtvoll gefiederten Quetzal, den „Göttervogel“ der Maya mit seinem dreifach körperlangen, grünschillernden Schwanz. Über hundert Paare nisten hier zwischen März und Juni. Dann ist die Chance am größten, einen zu sehen, denn sonst halten sie sich in über tausend Meter Höhe auf. Fünf verschiedene Wildkatzen schleichen durch den Regenwald, doch halten sich Puma, Jaguar, Ozelot, Tigrillo und Jaguarundi von den mit Holz oder Steinen befestigten Wanderwegen fern. Wenn man mal einen aus der Ferne vernommen hat, ist man darum wahrscheinlich ganz froh. Aber riesige bunte Schmetterlinge und Kolibris flattern ganz bestimmt über den Weg. Das allerseltenste Tier ist jedoch der sapo dorado, die Goldkröte. Erst 1964 wurde sie entdeckt, aber schon seit vielen Jahren nicht mehr gesichtet.

Privatreservat Rara Avis

Monteverde
Monteverde

Der Nebelwald von Monteverde, um dessen Schutz sich schon vor Jahrzehnten hier ansässige Quäker kümmerten, ist aber nicht die einzige „grüne“ Attraktion im Norden von Costa Rica. Für echte Ökotouristen ist das 1983 geschaffene Privatreservat Rara Avis ein Muss, dessen Baumkronen man mit einer Dschungelseilbahn erkunden kann. Etwa 80 km nordöstlich von San José taucht man, nach mühseliger Anfahrt mit einem Traktor, ein in ein Stück unberührten Regenwald. Hier gibt es extrem seltene Palmen, urzeitliche Farne, eine Unmenge von Orchideen und Bromelien. Mächtige Fischadler und schwarze Geier kreisen über den Wipfeln. Vermutlich gibt es hier Vogelarten, die noch gar nicht entdeckt wurden. Aber Vorsicht: Über den Ästen kann eine mächtige Boa Constrictor hängen, und auch die Fer de Lance ist mit Vorsicht zu genießen: Dabei handelt es sich nämlich um eine der giftigsten Schlangen der Welt. Länger zuschauen möchte man dagegen den langen Kolonnen der Blattschneideameisen, die riesige Blattstücke tragen. Diese werden zerkaut und dann als „Humus“ für Pilze verwendet, deren süße Fäden den Ameisen schmecken.

Praktische Infos

Tourist Information

Visit Costa Rica

www.visitcostarica.com

Monteverde Info

www.monteverdeinfo.com

Beste Reisezeit

In Costa Rica herrscht tropisches Klima, die Temperaturen unterliegen nur geringen jahreszeitlichen Schwankungen und liegen um die 26° C im Tiefland, 22° C im Zentralland und unter 10° C ab einer Höhe von 3000 Metern. Beliebteste Reisezeit ist die Trockenperiode (Dezember bis April); während der Regenzeit (Mai bis November) ist Nebensaison, aber auch in dieser Zeit lässt sich das Land gut bereisen. Costa Rica ist dem von Ost nach West wehenden Passat ausgesetzt, der in den Monaten Dezember bis März am stärksten bläst. Wirbelstürme können von August bis Oktober auftreten.

Einreisebestimmungen

Bürger der EU-Länder und aus der Schweiz benötigen für einen Aufenthalt von bis zu 90 Tagen nur einen gültigen Reisepass.

Impfungen

Impfungen für die Einreise sind nicht zwingend vorgeschrieben. In ländlichen Gebieten unterhalb von 500 Metern (z. B. in den Provinzen Alajuela, Guanacaste, Limón und Puntarenas) ist grundsätzlich ein Malaria-Risiko gegeben.

Anreise

Mit dem Flugzeug

Flüge von Europa über Amsterdam (KLM), Paris Charles de Gaulle (Air France), London Heathrow (British Airways) oder Madrid (Iberia) sowie mit diversen amerikanischen Airlines über US-Flughäfen nach San José. Von dort fahren Busse (Transportes Monteverde) zweimal tgl. (reservieren!) in 4 1/2 Stunden zum Centro Commerical Monteverde.

Unterkunft

Arco Iris Lodge

+506 2645 5067
www.arcoirislodge.com

Komfortable Lodge unmittelbar östlich des Ortszentrums in ruhigem Garten mit gut ausgestatteten Hütten, in denen bis zu sechs Leute schlafen können. Sehr üppiges Frühstück

Hidden Canopy Treehouses

+506 2645 5447
www.hiddencanopy.com

Übernachten in fantastischen Baumhäusern mit riesigen Betten und Pamoramafenster, durch die der Blick bis zum Golf von Nicoya reicht. 4 km nördl. von Santa Elena.

Canopy Tours

Original Canopy Tour

www.canopytour.com

Wenngleich sich Darren Hreniuk mit seiner Klagewelle gegenüber Konkurrenten reichlich unbeliebt gemacht hat, so ist sein Angebot, sich an Drahtseilen von einer Baumkrone zur nächsten zu schwingen, noch immer eines der besten.

100% Aventura

www.aventuracanopytour.com

Monteverde Extremo

www.monteverdeextremo.com

Selvatura

www.selvatura.com

Sky Adventures

www.skyadventures.travel

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