Wolfgang Rössig

Cropover Barbados

Cropover auf Barbados

Wolfgang Rössig ⚫ 17. Nov 2017

„Wuk-Up“ heißen auf Barbados die sinnlichen Hüftschwünge, die man beim Soca-Tanz vollführt. Immer wieder, wenn sich die Bajans wieder ins Karnevalfieber tanzen, lassen Puritaner und protestantische Pastoren, von denen es auf der Insel reichlich gibt, eine Philippika los: Vulgär sei das, geradezu obszön und ein Beweis dafür, wie heruntergekommen die Gesellschaft schon sei.

„Mighty Gabby“, die lebende Calypso-Legende von Barbados, lässt das nicht auf sich sitzen. Lächerlich sei das, im Vergleich zu Brasilien oder Trinidad ginge es auf Barbados geradezu harmlos zu. Nur weil da einige Frauen beim Anblick einer Kamera die gewagtesten Verrenkungen vollführen und mit ihren mehr oder weniger umfangreichen „bumbums“ (Hintern) wackeln, brauche man sich nicht so aufzuregen. Und überhaupt: Erst hätten die britischen Kolonialherren die anzüglichen Tänze verboten, weil sie selbst halt nur Blei in den Hüften hatten, und jetzt würden sich nordamerikanische religiöse Organisationen als „Wuk-Up-Polizei“ aufführen. Was Gabby sagt, zählt: Schon oft wurden seine Soca-Titel zum „Pic-o-de-Crop“ gewählt. Viele Male schon durfte sich der Sänger im National Stadium von Bridgetown die Krone des Calypso-Monarchs aufsetzen.

Die heißeste Sommerparty der Antillen

Seitdem man nach 30jähriger Pause 1974 das traditionelle Cropover-Fest auf Barbados wieder aufleben ließ, hat sich dieses zur heißesten Sommerparty der Antillen gemausert. Nur der Karneval von Trinidad ist noch berühmter, bunter, lauter, ausgelassener und schlüpfriger, doch findet er im Februar statt. Auch Cropover ist inzwischen von Touristen entdeckt worden, dennoch ist der Karneval von Barbados immer noch eine einheimische Angelegenheit, deren Organisation unter chronischem Geldmangel leidet. Früher bedeutete „Cropover“ den Abschluss der Zuckerrohrernte im Hochsommer. Das war der eine Tag im Jahr, an dem die Sklaven frei bekamen und nach Herzenslust feiern, tanzen, trommeln, schlemmen und trinken durften. Später verprasste man beim Cropover den letzten Lohn, bevor bis zur nächsten Ernte Schmalhans Küchenmeister wurde. Maskottchen des Festivals war „Mr Harding“, eine mit getrockneten Zuckerrohrblättern ausgestopfte Vogelscheuche, mit der man über die Plantage zog und der auch der Pflanzer seine Reverenz erweisen musste.

Heute zieht sich selbst die heiße Phase von Cropover über Wochen hin. Schon im April bringt man sich mit dem „Congaline Festival“ in Stimmung. Monate vorher werden die Kostüme festgelegt, proben die Calyspso-, Soca-, Tuk- und Steelbands. Anfang Juli geht es so richtig los. Die Bands treffen sich zu Ausscheidungswettbewerben, den sogenannten „tents“, die fleißig in Rundfunk, Fernsehen und Presse kommentiert werden, und in den „Mas Camps“ werden die Kostüme zusammengenäht. Das erste „heiße“ Wochenende von Cropover läuten „Decorated Cart & Float Parade“ und „Gala Crop Over Opening“ ein. Von Bridgetowns Independence Square zieht die Parade zur Eröffnungszeremonie im National Stadium. Das letzte Zuckerrohr der Ernte wird abgeliefert, und die Bands küren ihre eigenen Queens und Kings. Später kommen die Kiddies zu ihrem Recht: Beim „Junior Kadooment“ und bei der „Junior Calypso Monarch Competition“ dürfen sie zeigen, was sie drauf haben.

Die Highlights

Anfang August bricht das letzte Wochenende von Cropover an. Am Freitag wird bei den Calypso-Finals im National Stadium der „Pic o-de-Crop“ des Jahres ermittelt. Die folgende Nacht zum Sonntag ist besonders lang: Zuerst hämmern die Steelbands von Barbados um die Wette, dann tanzt man beim „Fore-Day Morning Jump-Up“ bis zum Sonnenaufgang. Jetzt aber schnell eine Mütze Schlaf nehmen, denn bei der Riesenshow des „Cohobblopot Sunday“, ebenfalls im National Stadium, paradieren Queens und Kings der einzelnen Bands in kunstvollen Kostümen sieben Stunden lang vor einem begeisterten Publikum, während über 200 Künstler und die Top-Bands der Insel auftreten.

Und dann kommt der absolute Höhepunkt: die große Straßenparade des „Grand Kadooment“. Dabei wird unter anderem der meistgespielte Calypsonian zum „King of the Road“ gekürt. Den Preis für das beste Kostüm des Kadooment Day heimst, wen wundert es, Gwyneth Squires besonders oft ein. Schließlich schneidert sie schon seit vielen Jahren für die meisten topplatzierten „Queens“ und „Kings“ die Kostüme. Schon Stunden vorher säumen Tausende von Bajans die Straßen, durch die der Zug kommen soll, klettern auf Lkws, Mauern und Dächer, um den besten Blick zu haben. Bei 32 Grad im Schatten, aber wo ist schon Schatten, fließen Rum und Schweiß in Strömen, und weil die Polizei gerade zu Cropover einen „Sick-Out“ nimmt, sprich in den Bummelstreik getreten ist, muss das Militär diejenigen aufsammeln, die während der langen Wartezeit in praller Sonne schlapp gemacht haben. Und dann kommen sie: Lastwagen, aus deren überdimensionalen Lautsprechern die beliebtesten, fast das Trommelfell zerfetzenden Soca-Titel schallen, begleiten die oft Hunderte von Mitglieder zählenden kostümierten Bands, die von Preisrichtern prämiert werden. Zwischen den ausgelassen Tanzenden springt der Organisator der Gruppe hin und her, verzweifelt bemüht, seine komplizierte Choreographie zu retten.

Bacchanal Time

Aber es ist „Bacchanal Time“, und irgendwie artet alles in hemmungslosem, aber um so fröhlicheren Chaos aus, weil das Publikum sich natürlich in den „Jump up“ einmischt. Das Ganze endet am Strand, wo man nach spontaner Cropover Beachparty schließlich das Feuerwerk am nächtlichen Himmel bewundert. Nur für einen ist danach die Party noch nicht vorbei: der Calypso Monarch wird Ende August nach Trinidad fahren und in Port of Spain an der „Kings of Kings Competition“ teilnehmen. 18 Calypsonians, aus Antigua, Barbados, Grenada, Guyana, St. Lucia und Trinidad, wetteifern jedes Jahr um die Krone aller Kronen.

Praktische Infos

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+1 246-467-3600
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Web: www.visitbarbados.org

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Leopoldstraße 23
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Anreise

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Fast alle Besucher landen auf dem Grantley Adams International Airport im Südwesten von Barbados, etwa 16 km von Bridgetown entfernt. Der größte Flughafen der Kleinen Antillen wird von Nordamerika unter anderem von Air Canada, American Airlines, Delta, JetBlue, US Airways und WestJet angeflogen. British Airways und Virgin Atlantic fliegen von London. Innerhalb der Karibik wird Barbados von LIAT (Antigua, Dominica, Grenada, St Lucia, St Vincent, Tobago und Trinidad) sowie von Caribbean Airlines (Antigua, Sint Maarten und Trinidad) bedient.

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