Wolfgang Rössig

Great Barrier Reef

Great Barrier Reef

Wolfgang Rössig ⚫ 17. Nov 2017

Glück muss man haben. Dann fliegt die Linienmaschine von Brisbane nach Cairns ausnahmsweise mal draußen vor der australischen Küste Queenslands, und kurz nach Bundaberg beginnt der Zauber. Wie ein filigranes, millionenfach verästeltes Kunstwerk in der endlosen türkisen Wasserfläche taucht das einzige von Tieren geschaffene „Bauwerk“ auf, das sogar vom Weltall aus mit bloßem Auge zu erkennen ist: als „dünne weiße Linie im blauen Ozean“, wie Astronauten berichteten.

„Waga Gaboo“, großes Riff, nennen die Aborigines, die australischen Ureinwohner, das mit 2300 km Länge und etwa 347800 km2 Fläche (etwa die Fläche Deutschlands) nicht nur größte, sondern auch älteste Korallenriff der Welt. Es erstreckt sich von der Torres-Straße südlich von Papua Neuguinea hinunter bis zur Koralleninsel Lady Elliot Island und setzt sich aus weit über 2000 getrennten und namentlich benannten Einzelriffen zusammen. Manche sind über 100 km2 groß, andere nur winzig. Nicht alle der über 600 Inseln sind echte Koralleninseln, viele sind „ertrunkene“ ehemalige Küstengebirge, die oft eigene Korallenriffe gebildet haben. Der älteste Teil des Riffs, die Far Northern Section, ist bereits vor 18 bis 20 Mio. Jahren entstanden, der jüngste ganz im Süden „erst“ vor rund 2 Mio. Jahren. Die Riffe, die man heute sieht, wurden allerdings erst vor wenigen tausend Jahren gebildet. Als das Große Barriereriff die „H.M.S. Endeavour“ des Weltumseglers Captain James Cook 1770 fast ins Verderben riss, war es noch in keiner Seekarte verzeichnet. Seit 1981 ist es UNESCO-Weltnaturerbe.

Reef HQ Aquarium in Townsville

Neugierige Seeschildkröte

Die erste „Begegnung“ mit diesem Naturwunder kann sich sehr komfortabel gestalten: in den Plexiglastunnels des Reef HQ Aquarium in Townsville, dem eines der bedeutendsten meeresbiologischen Forschungsinstitute der Welt angeschlossen ist. Sein riesiges Schauaquarium, 38 m lang und 17 m breit, gefüllt mit über 2 Mio. l Seewasser, ist das einzige, in dem sich Korallen fortpflanzen. Hier bekommt man einen ersten Einblick in die verschiedenen Lebensformen des Riffs. Wenn Experten kommentieren, was sich da alles vor den staunenden Augen der Besucher abspielt, laufen auch Fernsehkameras. Sie übertragen das Geschehen ins karge australische Outback, wo Kindern auf isolierten Farmen Biologieunterricht per Internet erteilt wird. Die Riesenleinwand des angeschlossenen Omnimax Theatre kann ein Computermonitor natürlich nicht ersetzen.

Aber „trocken“ sind die Lektionen weiß Gott nicht. Wunderschön sieht sie aus, diese farbenprächtige Korallenwelt. Aber da unten herrscht Krieg, ein lautloser Blumenkrieg um das wertvolle Licht, den die Kolonien des Riffs mit Giften und Nesselkapseln ausfechten. Die farbenfrohen Clown- und Wimpelfische, deren psychedelische Muster der Fantasie eines Victor Vasarely entsprungen zu sein scheinen, hüten sich, den hin und her wogenden Tentakeln der Korallen zu nahe zu kommen. Doch auch die Korallen kämpfen tagtäglich ums Überleben. Als brutaler „Korallenkiller“ sucht die Dornenkrone, ein massenhaft auftretender Seestern, diese Zauberwelt heim und verschlingt die lebenden Korallenpolypen, die für die Riffbildung sorgen. Diese sind nur etwa 10 mm lang und ernähren sich von Plankton. Wenn sie den dabei aufgenommenen Kalk wieder ausscheiden, entsteht daraus ein schützendes Gehäuse. Die unzähligen Kalkskelette des Polypen lassen das Riff jährlich um etwa 10 cm wachsen. Der Polyp kann nur in klarem, warmen, sauerstoffreichem Salzwasser leben, durch das genügend Sonnenlicht dringt. Die Wassertemperatur darf niemals unter 17,5 °C fallen, daher gibt es in den kühleren Gewässer weiter südlich keine Korallen mehr. In der Nähe von Flussmündungen gedeihen Korallen ebenfalls nicht. So bedeutet das schlammige Süßwasser des Fly River von Papua Neuguinea das Ende des Riffs im Norden.

Tauchfieber

Farbenfrohe Welt

So manchen, der noch nie den Kopf unter Wasser gesteckt hat, packt in diesem Aquarium das Tauchfieber. Schon sehen Naturschützer diesen einzigartigen Lebensraum bedroht, doch letztlich sorgt das Geld der Touristen auch für verbesserte Schutzmaßnahmen. Tauchen kann man ohnehin nur an wenigen festgelegten Stellen. Die meisten Inseln sind unbewohnt, schwer zugänglich, und das Riff bleibt ungestört. Gefährdet ist es wohl eher durch die gefürchtete Korallenbleiche, für die vermutlich der Ausstoß von Treibhausgasen verantwortlich ist. Sie setzen die Korallen unter Stress, bis diese symbiotische Algen, ihre Nährstofflieferanten, abstoßen, ihre Farben verlieren und absterben.

Wer in die ausgewiesenen Tauchgebiete gelangen will, muss einige Strapazen auf sich nehmen. Große Teile des Riffs liegen weit vor der Küste, und es kann Stunden dauern, mit dem Boot vom Urlaubsdomizil aus dort hinzugelangen. Da die See oft unruhig ist, freuen sich die Rifffische über das leckere Frühstück der Resorts. Aber all das ist schnell vergessen, wenn man erst einmal ins kristallklare Meer gesprungen ist: Unter Wasser gibt es keine Seekrankheit. Und was man hier zu sehen bekommt, macht selbst erfahrene Taucher sprachlos. Jede Nische im Riff ist besetzt, und der Einfallsreichtum der Natur kennt keine Grenzen. Am aufregendsten sind Tauchgänge in der Umgebung alter Schiffswracks. Taucher schwärmen vom Wrack der „Yongala“, ein 1911 während eines Wirbelsturms vor Townsville gesunkener Luxusliner, dessen Deck und Rumpf noch völlig intakt ist. 28 m tief liegt das Schiff unter Wasser und ist zur Heimat der angeblich weltweit größten Konzentration und Vielfalt von Meeresfauna und -flora geworden. Harte und weiche Korallen, Seeanemonen, Mollusken, Nacktschnecken und Krustentiere überziehen den Schiffsrumpf, manchmal kommt ein über 2 m großer Lippfisch vorbei und knackt sich ein Schalentier. Dichte Schwärme von Trevallies und Barrakudas ziehen ihre Bahnen durch die Schiffsmesse, Riff- und Zackenbarsche glotzen ohne Scheu die Taucher an, und durch die Bullaugen schwimmen die „Dinosaurier“ des Riffs: Adlerrochen und Seeschildkröten, die bereits seit 150 Mio. Jahren existieren.

Große Fische

Barsch

Sogar Wale, Delfine und Seekühe schwimmen in den Gewässern des Großen Barriereriffs. Thunfische, Marlins und natürlich Haie, die — abgesehen von den seltenen, bis zu 5 m langen Tigerhaien — hier für Menschen kaum eine Gefahr sind, finden reiche Beute. Aber ohne Risiken ist diese paradiesische Welt trotzdem nicht. Besonders gefährlich ist der perfekt getarnte Steinfisch, auf den man leicht treten kann, aber auch die schöne, leider hoch toxische Kegelmuschel und die neugierige Seeschlange, deren Gift in Minuten töten kann.

Nur sehr wenigen Tauchern ist es vergönnt, Zeuge zu werden, wenn die Korallen laichen. Dieses faszinierende „coral spawning“ vollzieht sich in den Nächten nach dem Novembervollmond. Nur die erfahrensten Kapitäne wagen sich nachts in die Untiefen des Riffs. Manchmal heißt es tagelang warten, bis es passiert. Wie auf Kommando stoßen die Korallen Milliarden winziger Larven aus: rosa- und purpurfarbene Galaxien des Lebens, die neue Kolonien, neue Wunderwelten unter Wasser bilden werden.

Praktische Infos

Tourist Information

Great Barrier Reef

www.greatbarrierreef.org

Anreise

Mit dem Flugzeug:

Internationale und nationale Flüge landen und starten am Cairns International Airport. Außerdem Flugverbindungen mit Sydney, Melbourne und Brisbane.

Unterkunft

East Bedarra Island Resort

Bedarra Island

+61 7 40675311
www.eastbedarra.com

„Das Paradies hat eine Adresse“ verspricht dieser kleine, hochexklusive Resort auf einer der schönsten Inseln Australiens. Der Beach Bungalow hat seinen eigenen Pool, das Tree House ist besonders naturnah konzipiert und die Princess Villa ist ein Meisterstück des Innendesigns. Wozu man bei dem Traumausblick einen Plasmafernseher braucht, bleibt ein Geheimnis, wozu die schwingende Love Lounge über dem Meer gut ist, eher nicht.

Lizard Island Resort

Lizard Island

+61 7 40431999
www.lizardisland.com.au

Luxus pur auf der entlegendsten Insel des Great Barrier Reef. Hier wohnen nur die Angestellten des Resorts. Man erreicht sie von Cairns auf einem einstündigen Flug mit Hinterland Aviation. Eines der berühmtesten Tauchziele, das Cod Hole mit seinen faszinierenden Großfischen, liegt direkt vor der Insel. Besonders spektakulär schläft man in The Pavilion hoch über dem Meer mit herrlichen Panoramablick auf Anchor Bay, Osprey Island und Sunset Beach, während man von den mitten im Busch gelegenen Sunset Point Villas Zugang zu einer Reihe einsamer Strände hat. Es sind mit die schönsten Australiens. Zwischen August und November wird es etwas unruhig, weil dann Sportangler aus aller Welt zum „Black Marlin Classic“ einfallen.

Hayman Island Resort

Hayman Great Barrier Reef

+61 2 93080500
www.hayman.com.au

Als „Sechs-Sterne-Resort“ tituliert sich die luxuriöseste Unterkunft auf den Whitsundays, und sie räumt nach wie Touristikpreise ab, darunter auch den für den besten Ökoresort Australiens. Tatsächlich unternimmt man sehr viel, um das fragile ökologische Gleichgewicht des Riffs zu erhalten. Urlauber fliegen zunächst nach Hamilton Island und setzen von dort mit einer Luxusyacht über. Genächtigt wird in 203 Zimmern und Suiten oder in elf Penthouses, letztere mit wertvollen Antiquitäten und Butler-Service. Sechs Restaurants servieren feine Gourmetküche, und der Weinkeller zählt sage und schreibe 35000 Flaschen. Surfen, Tauchen, Segeln, Schnorcheln, Golfen: hier ist alles möglich. Auch das Wellness- und Beautyprogramm des Spa Chakra Hayman zählt zum besten, was Australien zu bieten hat. Der Service ist legendär, und wer hier Urlaub macht, trifft nicht nur reiche Japaner, sondern auch Hollywoodgrößen.

Aktivitäten

Tauch- und Segelkreuzfahrten

Yongala Dive

56 Narrah Street, Alva 4807 Qld

+61 7 4783 1519
www.yongaladive.com.au

Cairns ist das wichtigste Zentrum für Ausflüge zum Riff. Wer nicht tauchen mag, kann die Korallenwelt mit Glasboden- oder Halbunterseebooten kennen lernen. Taucher haben die Qual der Wahl, sogar nächtliche Tauchausflüge werden angeboten. Tagesausflüge führen meist nur zu schon durch zu viele Touristen belasteten inneren Riffs. Bei Enthusiasten sind daher Bootstrips beliebter, die schon nachts zu den äußeren Riffs starten. Am frühen Morgen springt man dann ins glasklare Wasser und verbringt den ganzen Tag bis zum Abend beim Tauchen. Noch besser sind natürlich mehrtägige Ausflüge, die sogenannten Live Aboard Trips, die meist zu den Riffen Cod Hole, Ribbon und Osprey führen. Ein tolles Erlebnis sind Segeltouren zum Riff, bei denen sich die Möglichkeit zum Schnorcheln, Tauchen und Relaxen auf einem unbewohnten Inselchen bietet. Besonders empfehlenswert sind Tauchtrips zum berühmten Yongala-Wrack vor Townsville.

Segeln in den Whitsundays

Oz Sailing

Shop 3/398 Shute Harbour Road
Airlie Beach QLD 4802

Tel. +61 7 4946 6877
www.ozsailing.com.au

Das Whitsunday-Archipel ist eines der besten Segelreviere Australiens. Dementsprechend groß ist hier das Angebot von Kreuzfahrten. Schnorcheln, Tauchen, Wale beobachten oder an einsamen Stränden relaxen: alles ist möglich. Besonders beliebt sind Fahrten zum spektakulären Whitehaven Beach. Mehrtägige Ausflüge sind zu empfehlen, am besten auf historischen Segelschiffen.

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