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Werden sie heu­te tan­zen, die himm­li­schen Schleier der Aurora Borealis? Die Schamanen der Sámi konn­ten einst die Götterfackeln her­bei­ru­fen und mit ihren Zaubertrommeln eine Pforte in die ande­re Welt öff­nen. Wer das Nordlicht ent­zif­fern kann, heißt es im fin­ni­schen Nationalepos Kalevala, löst das Geheimnis vom Ursprung der Welt. Knackige Kälte, eine kla­re nord­fin­ni­sche Polarnacht, in der Millionen Sterne der Milchstraße zum Greifen nahe schei­nen: Im Mondlicht glit­zert der Schnee, bei minus 30 Grad knirscht er wie har­ter Quarzsand unter den…

»Wie berühmt bist du, Archipelag und Mittelmeer, in der Geschichte des mensch­li­chen Geistes!« schwärm­te Herder. Seit Jahrtausenden sind die lich­ten Gestade des Mittelmeers, vom Heiligen Land bis zu den atlan­ti­schen Säulen des Herakles, ein Ort der Begegnung zwi­schen Orient und Okzident. Am Mittelmeer trat Europa aus dem Dunkel der Geschichte. In der süd­li­chen Ägäis ent­wi­ckel­te es sei­ne ers­te Hochkultur, auf Attika ver­tei­dig­ten die Griechen Individualismus und die Demokratie, ihre Suche nach dem „Wahren und Schönen“ vor dem Ansturm der asiatischen…

Здравствуйте! Schon steckt der Moskaubesucher mit­ten drin im ers­ten und gar nicht so klei­nen Problem! Wirklich fast alles ist hier nur auf Kyrillisch beschrif­tet, und so heißt es vor der Reise Buchstaben büf­feln, damit Sie nicht bei Ihrer ers­ten Metrofahrt Eingang und Ausgang ver­wech­seln. So wie es mir erging auf mei­nem ers­ten Besuch im noch sowje­ti­schen Moskau, das tat­säch­lich im November genau­so grau war, wie man es aus ame­ri­ka­ni­schen Filmen kennt. Wer da glaubt, Berlin hät­te in den letz­ten 25…

Siesta in Barcelona? Eingefleischte Katalanisten wür­den das natür­lich vehe­ment bestrei­ten. Siesta ist spa­nisch, etwas für anda­lu­si­sche Schlafmützen. Mit denen hat Barcelona so sei­ne Probleme, auch wenn sie gar kein Mittagsschläfchen hal­ten. Gern „ver­gisst“ die Stadt, dass fast die Hälfte ihrer Einwohner gar nicht in Barcelona gebo­ren, son­dern größ­ten­teils aus dem nicht­ka­ta­la­ni­schen Spanien oder gar Lateinamerika zuge­zo­gen sind. Und die rei­ben sich zuse­hends die Augen. Na schön, kata­la­nisch hat man in Barcelona selbst in der fins­ters­ten Franco-Zeit gespro­chen, als die Sprache…

Während der Olympischen Spiele hiel­ten die grie­chi­schen Stadtstaaten eine hei­li­ge Waffenruhe. Dagegen haben die Prophezeiungen Apolls, die von der Pythia des del­phi­schen Orakels ver­kün­det und von den anwe­sen­den Priestern inter­pre­tiert wur­den, oft Konflikte ent­flammt. Unter Kaiser Julian Apostata soll die Pythia das letz­te Mal gespro­chen haben. Das war 362 n.Chr., doch Delphis Lage in Mittelgriechenland, zwi­schen den „glän­zen­den“ Phädriadenfelsen und den silb­ri­gen Olivenhainen unten im Tal, ist so atem­be­rau­bend wie vor 2800 Jahren. Um das kost­ba­re Orakel an der heiligen…

Javier Mariscal, kata­la­ni­scher Stardesigner und Schöpfer des Olympiamaskottchens Cobi, war es, der das Wortspiel „Bar-cel-ona“ präg­te, „Bar-Himmel-Welle“. Oh ja, die Bars von Barcelona: Ganze Bücher könn­te man über sie schrei­ben. Wie vie­le es gibt, weiß kei­ner so genau. Die Bar, nicht das Wohnzimmer daheim, ist der sozia­le Lebensmittelpunkt des Barcelonin, hier gibt es kei­ne gesell­schaft­li­che Schranken, hier trifft man Bekannte, schließt neue Freundschaften oder Geschäfte ab. Natürlich wird auch getrun­ken, aber fast immer maß­voll, und so sieht man, anders als…

Der Neapolitaner glaubt im Besitz des Paradieses zu sein und hat von den nörd­li­chen Ländern einen sehr trau­ri­gen Begriff.“ So schrieb es Goethe, der der glück­li­che Wochen im Schatten des Vesuvs ver­leb­te. Hier in Kampanien mal­te Tischbein das berühm­te Porträt des Dichterfürsten. In den düs­te­ren, noch immer von der Camorra (und inzwi­schen auch von der Finanzpolizei) beherrsch­ten Quartieri Spagnoli, wo man­che Familie sich nur mit Zigarettenschmuggel durch­schlägt, mag man Goethes Urteil so unbe­dingt nicht tei­len, doch Lebenskünstler sind sie alle­mal, die…

Sie sind kaum zu zäh­len, die berühm­ten Maler, Bildhauer, Musiker und Dichter, die Rom zu ihrem zeit­wei­li­gen Domizil erko­ren haben. Tischbein, Angelica Kauffmann und Raphael Mengs haben in der Ewigen Stadt gemalt, Thorwaldsen arbei­te­te hier als Bildhauer, Liszt und Wagner kom­po­nier­ten hier. Und natür­lich hat eine Legion von Schriftstellern ihre Liebe zu Rom bekannt. Goethe, der inco­gni­to als „Maler Philipp Möller“ im Haus Via del Corso 18–20 abstieg, ver­gin­gen die zwei glück­lichs­ten Jahre sei­nes Lebens wie im Flug. Grillparzer bewunderte,…

Fast acht­los ging Goethe an die­ser Kulturlandschaft vor­bei. Auf der Suche nach der rei­nen Antike war ihm deren Renaissance fast gleich­gül­tig: Die Kunstschätze von Florenz inter­es­sier­ten ihn nicht. Ganz anders erging es den eng­li­schen Romantikern Lord Byron und Shelley, spä­ter lie­ßen sich Henry James und D.H. Lawrence hier nie­der. Den fran­zö­si­schen Romancier Stendhal über­wäl­tig­te die Betrachtung der Kirche Santa Croce in Florenz der­ma­ßen, dass ihm schwind­lig wur­de. Draußen „über­fiel mich plötz­lich star­kes Herzklopfen, ich fürch­te­te beim Weitergehen, zu Boden zu…

Die ers­ten Sonnenstrahlen tau­chen die skur­ri­len Türme der Sagrada Familia in gol­de­nes Licht. Auf der Rambla zwit­schern die bun­ten Vögel in den Käfigen mit ihren gefie­der­ten Freunden auf den mäch­ti­gen Bäumen um die Wette, wäh­rend die Blumenhändler, auch sie Frühaufsteher, Barcelonas Flanierboulevard in ein bun­tes Meer ver­wan­deln. Dichte Autokolonnen hupen sich die viel­spu­ri­gen Avingudas Paral.lel und Diagonal ent­lang, in den unzäh­li­gen klei­nen Frühstücksbars zischt der ers­te Café solo, par­don Cafè sol, durch die Espressomaschinen, jovia­le Senyoras in karier­ten Kittelschürzen drehen…

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