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Auf den weni­gen Grünflächen rund um die Hochhäuser des Financial District stre­cken mit­tags die Angestellten der Banken und Büros die Füße von sich, um ihr Lunchpaket zu ver­zeh­ren, etwas ver­schämt genie­ßen die moder­nen Outlaws Kaliforniens im Schatten der Glastürme ihre Zigarette, da pas­siert es plötz­lich. Zuerst nur ein paar unschul­di­ge tie­fe Wölkchen, und dann fällt graue kal­te Watte wie ein Remake aus „Nebel des Grauens“ über die Stadt her. Amüsiert bli­cken die Einwohner auf das immer­wäh­ren­de Schauspiel der in T-Shirts…

Sonnenaufgang im Dschungel Guatemalas: Die Brüllaffen sind schon wach, die Urwaldvögel into­nie­ren ein viel­stim­mi­ges Konzert, und über dem noch nebel­ver­schlei­er­tem grü­nen Baumdach begin­nen die Firste der alten Mayatempel von Tikal zu glü­hen. Wer das erle­ben will, muss im ers­ten Morgengrauen um sechs Uhr mit einer Taschenlampe über wur­zel­ver­schlun­ge­ne Terrassen und Felsen auf die Spitze von Tempel IV klet­tern. Die Fans von „Star Wars“ kom­men wegen des berühm­ten Filmblicks auf das „gehei­me Zentrum des Rebellenplanetens“, roman­ti­sche Naturen wan­deln auf den Spuren…

Wuk-Up“ hei­ßen auf Barbados die sinn­li­chen Hüftschwünge, die man beim Soca-Tanz voll­führt. Immer wie­der, wenn sich die Bajans wie­der ins Karnevalfieber tan­zen, las­sen Puritaner und pro­tes­tan­ti­sche Pastoren, von denen es auf der Insel reich­lich gibt, eine Philippika los: Vulgär sei das, gera­de­zu obszön und ein Beweis dafür, wie her­un­ter­ge­kom­men die Gesellschaft schon sei. „Mighty Gabby“, die leben­de Calypso-Legende von Barbados, lässt das nicht auf sich sit­zen. Lächerlich sei das, im Vergleich zu Brasilien oder Trinidad gin­ge es auf Barbados geradezu…

Als das Loma-Prieta-Beben 1989 das Baseballspiel zwi­schen den San Francisco Giants und den Oakland A’s unsanft been­de­te, ver­lie­ßen die Zuschauer beson­nen und in geord­ne­ten Reihen das durch­ge­schüt­tel­ten Coliseum-Stadion. Drei Wochen spä­ter gin­gen die World Series wei­ter und 64000 Zuschauer san­gen gemein­sam mit den Jefferson Starship die neue inof­fi­zi­el­le „Stadthymne“ von San Francisco: „We built this city on rock and roll“. Einige hat­ten sicher­heits­hal­ber Schutzhelme auf, man weiß ja nie… Besser lässt sich das Lebensgefühl der Stadt kaum beschrei­ben: San Francisco…

Die ers­ten Sonnenstrahlen tau­chen die Golden Gate Bridge in hauch­zar­tes Rosa, an der Waterfront laden die letz­ten Fischer der Stadt ihren Fang aus, die ers­ten Jogger sau­gen die wür­zi­ge Luft im Golden Gate Park ein, die letz­ten Nachtschwärmer von SoMa und Castro tau­meln asch­fahl nach Hause und im Hippieviertel Haight Ashbury ist die Power noch mau­er. Immerhin, aus man­chem ita­lie­ni­schen Café von North Beach strömt bereits ver­füh­re­ri­scher Espressoduft, im Nobelviertel Pacific Heights gehen Dalmatiner und Afghanen mit ihren fit­neß­stu­dio­ge­stähl­ten strohblonden…