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Wozu die­se Leere nach der Freude? Dieses Elend nach dem Glanz? Dieses Nichts, wo einst eine Stadt war? Wer aber gibt die Antwort? Nur der Wind. Er ersetzt den Gesang der Priester und zer­streut die einst ver­ein­ten Seelen.“ Die kla­gen­den Verse, die im Mittelalter ein ara­bi­scher Dichter beim Anblick der Ruinen Tripolitaniens nie­der­schrieb, klin­gen im Ohr, wäh­rend der Wind fei­nen Saharasand über römi­sche Kolonnadenstraßen, Theaterstufen und Marktplätze treibt, von deren Wänden grim­mi­ge Medusenhäupter bli­cken. An der Mittelmeerküste Libyens fin­det einige…

Das anti­ke Theater von Sabratha west­lich von Tripolis läuft sogar dem fran­zö­si­schen Orange den Rang ab. Eigentlich nur einen beque­men Tagesausflug mit dem Bus von der tune­si­schen Urlauberhochburg Djerba ent­fernt, aber der­zeit ohne Besucher, legt es einen büh­nen­rei­fen Auftritt hin: im wahrs­ten Sinne des Wortes. Mit sei­ner drei­stö­cki­gen Kulisse aus über hun­dert korin­thi­schen Säulen – sie soll eine Nachbildung des Severer-Palastes in Rom sein – gilt das Theater als das größ­te Nordafrikas, und viel­leicht als das Schönste des gesam­ten Imperiums.…

Ich will nun aus­führ­lich von Ägypten erzäh­len, weil es mehr wun­der­ba­re Dinge und erstaun­li­che Werke ent­hält als alle ande­ren Länder.“ Diese Zeilen stam­men von Herodot, dem grie­chi­schen Geschichtsschreiber, der vor 2500 Jahren Ägypten besuch­te. Zu die­ser Zeit waren die Pyramiden von Gizeh bereits 1500 Jahre alt, und grie­chi­sche Studienreisende ritz­ten ihre Graffiti in den Stein der Monumente. Nicht min­der begeis­ter­te Ägyptentouristen waren die Römer. Ihre Kaiser lie­ßen so man­ches „Souvenir“ mit­ge­hen, vor allem Statuen und Obelisken. Was man benen­nen kann,…

Grünblau flim­mern die Mosaiken der Koranschulen, ocker­far­ben die Ornamente der Berberkasbahs im glei­ßen­den Sonnenlicht, das Stimmengewirr der Muezzins, Eselstreiber und plär­ren­der Radios schallt durch die Medina, in den Souks duf­tet es nach Gewürzen und Jasmin, zärt­lich streicht die Hand über wei­che Teppiche und edlen Brokat, süß wie die Liebe schmeckt das ers­te Glas des erfri­schen­den Minztees. Spätestens auf der Fähre von Tanger nach Algeciras schei­den sich die Geister der Marokkotouristen. Die einen star­ren sehn­süch­tig auf die lang­sam näher kom­men­den Felsen…

Noch immer schlägt die Tradition der mau­ri­schen Architektur eine Brücke zwi­schen Marokko und Andalusien. Die weiß­ge­kalk­ten Dörfer im Hinterland der Costa del Sol unter­schei­den sich mit ihren kubi­schen Häusern kaum von dem laby­rin­thi­schen Gassengewirr der male­ri­schen Kleinstadt Chechaouen im nordma­rok­ka­ni­schen Rifgebirge. Kein Wunder, wur­de die Stadt doch von anda­lu­si­schen Mauren gegrün­det, die vor der reli­giö­sen Intoleranz des christ­li­chen Spanien geflüch­tet waren. Noch vor hun­dert Jahren hät­te jeder Christ, der es gewagt hät­te, Chechaoen zu betre­ten, sei­ne Frechheit mit dem Leben…