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Auf den weni­gen Grünflächen rund um die Hochhäuser des Financial District stre­cken mit­tags die Angestellten der Banken und Büros die Füße von sich, um ihr Lunchpaket zu ver­zeh­ren, etwas ver­schämt genie­ßen die moder­nen Outlaws Kaliforniens im Schatten der Glastürme ihre Zigarette, da pas­siert es plötz­lich. Zuerst nur ein paar unschul­di­ge tie­fe Wölkchen, und dann fällt graue kal­te Watte wie ein Remake aus „Nebel des Grauens“ über die Stadt her. Amüsiert bli­cken die Einwohner auf das immer­wäh­ren­de Schauspiel der in T-Shirts…

Werden sie heu­te tan­zen, die himm­li­schen Schleier der Aurora Borealis? Die Schamanen der Sámi konn­ten einst die Götterfackeln her­bei­ru­fen und mit ihren Zaubertrommeln eine Pforte in die ande­re Welt öff­nen. Wer das Nordlicht ent­zif­fern kann, heißt es im fin­ni­schen Nationalepos Kalevala, löst das Geheimnis vom Ursprung der Welt. Knackige Kälte, eine kla­re nord­fin­ni­sche Polarnacht, in der Millionen Sterne der Milchstraße zum Greifen nahe schei­nen: Im Mondlicht glit­zert der Schnee, bei minus 30 Grad knirscht er wie har­ter Quarzsand unter den…

Sonnenaufgang im Dschungel Guatemalas: Die Brüllaffen sind schon wach, die Urwaldvögel into­nie­ren ein viel­stim­mi­ges Konzert, und über dem noch nebel­ver­schlei­er­tem grü­nen Baumdach begin­nen die Firste der alten Mayatempel von Tikal zu glü­hen. Wer das erle­ben will, muss im ers­ten Morgengrauen um sechs Uhr mit einer Taschenlampe über wur­zel­ver­schlun­ge­ne Terrassen und Felsen auf die Spitze von Tempel IV klet­tern. Die Fans von „Star Wars“ kom­men wegen des berühm­ten Filmblicks auf das „gehei­me Zentrum des Rebellenplanetens“, roman­ti­sche Naturen wan­deln auf den Spuren…

Wer mehr als nur flüch­ti­ge „tou­ris­ti­sche“ Einblicke in die ein­zig­ar­ti­ge Kunst der „Tjukurrpa“, der Traumzeit, mit nach Hause neh­men möch­te, der braucht vor allem Zeit und viel Geduld. So war es ein sel­ten gewähr­tes Privileg, mit Big Bill Neidjie, Mitglied des Buntitj-Clan des Gagudju-Stammes, die im urzeit­li­che Arnhem Land Plateau ver­brei­te­te Felskunst zu „erwan­dern“. Bill, der 2002 ver­starb, war der letz­te Mensch, der noch die Gagudju-Sprache sprach. Nach ihr ist der zum Weltkulturerbe zäh­len­de Kakadu National Park benannt: eine archaische…

»Wie berühmt bist du, Archipelag und Mittelmeer, in der Geschichte des mensch­li­chen Geistes!« schwärm­te Herder. Seit Jahrtausenden sind die lich­ten Gestade des Mittelmeers, vom Heiligen Land bis zu den atlan­ti­schen Säulen des Herakles, ein Ort der Begegnung zwi­schen Orient und Okzident. Am Mittelmeer trat Europa aus dem Dunkel der Geschichte. In der süd­li­chen Ägäis ent­wi­ckel­te es sei­ne ers­te Hochkultur, auf Attika ver­tei­dig­ten die Griechen Individualismus und die Demokratie, ihre Suche nach dem „Wahren und Schönen“ vor dem Ansturm der asiatischen…

Wuk-Up“ hei­ßen auf Barbados die sinn­li­chen Hüftschwünge, die man beim Soca-Tanz voll­führt. Immer wie­der, wenn sich die Bajans wie­der ins Karnevalfieber tan­zen, las­sen Puritaner und pro­tes­tan­ti­sche Pastoren, von denen es auf der Insel reich­lich gibt, eine Philippika los: Vulgär sei das, gera­de­zu obszön und ein Beweis dafür, wie her­un­ter­ge­kom­men die Gesellschaft schon sei. „Mighty Gabby“, die leben­de Calypso-Legende von Barbados, lässt das nicht auf sich sit­zen. Lächerlich sei das, im Vergleich zu Brasilien oder Trinidad gin­ge es auf Barbados geradezu…

Здравствуйте! Schon steckt der Moskaubesucher mit­ten drin im ers­ten und gar nicht so klei­nen Problem! Wirklich fast alles ist hier nur auf Kyrillisch beschrif­tet, und so heißt es vor der Reise Buchstaben büf­feln, damit Sie nicht bei Ihrer ers­ten Metrofahrt Eingang und Ausgang ver­wech­seln. So wie es mir erging auf mei­nem ers­ten Besuch im noch sowje­ti­schen Moskau, das tat­säch­lich im November genau­so grau war, wie man es aus ame­ri­ka­ni­schen Filmen kennt. Wer da glaubt, Berlin hät­te in den letz­ten 25…

Nein, die Bewohner der Antipoden lau­fen nicht kopf­über durch ihr Land, wie auf den alten Landkarten von Terra aus­tra­lis inco­gni­ta zu sehen. Aber es sind schon vie­le Dinge anders im »Land Down Under«: Weihnachten fei­ert man im Sommer, Ostern im Herbst, der kal­te Wind kommt aus Süden und der Mond geht »ver­kehrt her­um« auf. Den meis­ten Menschen fal­len zu Australien zual­ler­erst die Känguruhs ein. Das Wappentier des 5. Kontinents muß denn auch für alle mög­li­chen Marktetingideen her­hal­ten. Nationalheiligtum sind allerdings…

Wozu die­se Leere nach der Freude? Dieses Elend nach dem Glanz? Dieses Nichts, wo einst eine Stadt war? Wer aber gibt die Antwort? Nur der Wind. Er ersetzt den Gesang der Priester und zer­streut die einst ver­ein­ten Seelen.“ Die kla­gen­den Verse, die im Mittelalter ein ara­bi­scher Dichter beim Anblick der Ruinen Tripolitaniens nie­der­schrieb, klin­gen im Ohr, wäh­rend der Wind fei­nen Saharasand über römi­sche Kolonnadenstraßen, Theaterstufen und Marktplätze treibt, von deren Wänden grim­mi­ge Medusenhäupter bli­cken. An der Mittelmeerküste Libyens fin­det einige…

Das anti­ke Theater von Sabratha west­lich von Tripolis läuft sogar dem fran­zö­si­schen Orange den Rang ab. Eigentlich nur einen beque­men Tagesausflug mit dem Bus von der tune­si­schen Urlauberhochburg Djerba ent­fernt, aber der­zeit ohne Besucher, legt es einen büh­nen­rei­fen Auftritt hin: im wahrs­ten Sinne des Wortes. Mit sei­ner drei­stö­cki­gen Kulisse aus über hun­dert korin­thi­schen Säulen – sie soll eine Nachbildung des Severer-Palastes in Rom sein – gilt das Theater als das größ­te Nordafrikas, und viel­leicht als das Schönste des gesam­ten Imperiums.…

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